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Hinweise auf Geothermie-Werk als Erdbeben-Ursache verdichten sich

Landau (ddp-rps). Ein lauter Knall, klirrende Gläser und ein bebender Boden - so machten sich an zwei Tagen im August und September in Landau die Erdbeben bemerkbar. Es verdichten sich nun die Anzeichen, dass das Geothermie-Kraftwerk am Stadtrand als Auslöser in Frage kommt. Die Betriebsgenehmigung für das Werk bleibt erst einmal vorläufig erteilt, während eine vom Land eingesetzte Expertenkommission die Erdbeben-Ursache untersucht. Doch auch wenn herauskommt, dass die Bohrungen nach Erdwärme für die Beben verantwortlich sind, wird das Geothermie-Werk wohl trotzdem weiterarbeiten dürfen. Diesen Artikel weiter lesen

Die Experten haben noch kein endgültiges Ergebnis vorgelegt, aber Harald Ehses, Leiter der Landesamtes für Geologie und Bergbau, geht davon aus, dass die Erdstöße unmittelbar aus der Umgebung des Kraftwerks stammten. «Wir haben unsere Berechnungen von vier unabhängigen Instituten überprüfen lassen. Sie alle haben uns bestätigt, dass das Epizentrum in der Nähe des Kraftwerks liegt», sagte Ehses. Andere Auslöser könnten «nahezu ausgeschlossen» werden.

Zu der Expertenkommission gehören außer Mitarbeitern des zum Wirtschaftsministeriums gehörenden Landesamtes für Geologie und Bergbau auch Vertreter des Betreibers des Geothermie-Werks geo x, der Erdbebendienste Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, des Geophysikalischen Instituts in Karlsruhe und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.

Auch bei der BGR gehen die Experten davon aus, dass die beiden Landauer Beben von Menschenhand verursacht wurden. »Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein solches Kraftwerk auch kleinere Beben verursachen kann«, bestätigte Christian Bönnemann von der BGR.

Er erinnert an ein Beben, das im Dezember 2006 das schweizerische Basel mit einer Stärke von 3,4 erschüttert hatte. Nachdem dort Geologen ein fast fünf Kilometer tiefes Loch in den Granit gebohrt und Wasser in die Tiefe gepresst hatten, wurde die Erdkruste durch einen enormen Ruck erschüttert. Ähnlich wie in Landau wurde dabei ein Verfahren angewendet, bei dem Wasser in ein Bohrloch gepumpt wird, das sich unterirdisch aufheizt und aus einem zweiten Bohrloch herausgepumpt wird. Das heiße Wasser wird dann zur Dampferzeugung genutzt, um eine Turbine zur Stromerzeugung anzutreiben.

Um in Zukunft Erschütterungen der Erdkruste zu verhindern, plane man nun ein Frühwarnsystem für alle Geothermie-Anlagen in Deutschland, sagt Bönnemann. Unternehmen könnten damit mikroseismische Auswirkungen während des laufenden Betriebs begrenzen. Im Idealfall würden die Kraftwerksbetreiber bei ersten Anzeichen eines drohenden Bebens beispielsweise den Wasserdruck verringern, um Ärgeres zu vermeiden. «Allerdings stehen wir mit dem Projekt noch am Anfang», sagt Bönnemann.

Auch ein anderer Geophysiker, der ungenannt bleiben will, solange die Expertengruppe nicht die offizielle Stellungnahme veröffentlicht hat, geht von einem Zusammenhang zwischen dem Landauer Kraftwerk und dem Erbeben aus. Indes sei die Energieerzeugung in der Regel immer mit Nebenwirkungen verbunden, ob es sich dabei um den CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken oder radioaktiven Müll von Kernkraftanlagen handle. «Im Fall der Erderschütterungen, die von Geothermie-Kraftwerken womöglich zu erwarten sind, können die Behörden aber durch Auflagen gegensteuern», gibt der Forscher zu bedenken.

So argumentiert auch Harald Ehses. Seiner Ansicht nach kann das Kraftwerk in Landau probeweise wieder angefahren werden, wenn auch unter höheren Auflagen. So müsse der Wasserdruck künftig verringert werden, da ein zu hoher Druck die Gefahr mit sich bringe, das unterirdische Gestein zu stark in Bewegung zu versetzten, was wiederum Beben auslösen könne. In diesem Zusammenhang weist Ehses darauf hin, dass kleinere Erdstöße, etwa im Ruhrgebiet und in anderen Regionen, infolge des Kohleabbaus seit Jahrzehnten immer wieder vorkommen.

Nach Ansicht von Landaus Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer (SPD) allerdings sollten Forscher und Betreiber künftig solche Beben verhindern, zumal nicht klar sei, ob Gefährlicheres drohe: «Für die Bevölkerung wäre das damit verbundene Risiko nicht akzeptabel.»

(ddp)

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