Frankfurt/Main (ddp). Die Gebäudereiniger wollen ab Dienstag (20. Oktober) bundesweit streiken. Mit über 96 Prozent Ja-Stimmen habe die Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern einen «klaren Streikwillen» gezeigt, sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Klaus Wiesehügel, am Donnerstag in Frankfurt am Main. Es müsse ein neues Tarifangebot der Arbeitgeber erzwungen werden. Der bevorstehende Arbeitskampf schade letztlich den Beschäftigten, kommentierte der Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks, Johannes Bungart, den Streikbeschluss. Diesen Artikel weiter lesen
Die im Januar begonnenen Gespräche der Tarifpartner waren im August abgebrochen worden, Warnstreiks schlossen sich an. Für die 860 000 Gebäudereiniger in Deutschland fordert die IG Bau 8,7 Prozent mehr Geld, eine neue Mindestlohnvereinbarung und den Angleich der Ost- an die Westlöhne. Die Arbeitgeberseite ist bereit, den West-Mindestlohn von bisher 8,15 Euro die Stunde auf 8,39 Euro zu erhöhen, im Osten von 6,58 Euro auf 6,82 Euro. Der Innungsverband beziffert die angebotene Lohnerhöhung auf 3,0 bis 3,6 Prozent.
Tatsächlich liege der Anstieg nur bei 1,8 bis 2,1 Prozent, kritisierte Wiesehügel. Die am 30. September ausgelaufene Tarifregelung ermögliche bei Neuanstellungen nun Stundenlöhne von unter fünf Euro, da die Arbeitgeber rechtlich in der Lage seien, die bisher vereinbarte Untergrenze um 30 Prozent zu unterschreiten. Wiesehügel verwies darauf, dass 70 Prozent der Gebäudereiniger in der Vergangenheit «keinen Cent mehr als den Mindestlohn» bekommen hätten.
Der bevorstehende Arbeitskampf sei der erste bundesweite Streik der Gebäudereiniger, betonte der IG-Bau-Chef. Am Dienstag um Mitternacht beginne ein «langer, harter und unbefristeter Arbeitskampf», den die Gewerkschaft sehr flexibel an vielen Orten gleichzeitig führen werde. Zu erwarten seien auch «Überraschungseffekte», sagte Wiesehügel. Die Kampfbereitschaft der Gebäudereiniger sei hoch. Die Gewerkschaft beabsichtige gleichwohl nicht, «dieses Land lahmzulegen».
Falls in Unternehmen bei Neueinstellungen nun Dumpinglöhne gezahlt würden, habe das vor allem die Gewerkschaft zu verantworten, sagte Bungart. Die IG Bau habe eine neue, rechtzeitige Vereinbarung vor dem 30. September verhindert. «Wir wollen solche Löhne nicht», sagte Bungart. Er fügte hinzu, die zurückliegenden Warnstreiks hätten «bei weitem» nicht die von der Gewerkschaft behauptete Wirkung gehabt. Laut Bungart leidet die Branche unter Auftragsrückgängen.
Wiesehügel sprach dagegen von «explodierenden Gewinnen» der Gebäudereinigungs-Unternehmen. Die Gewerkschaft erwarte ein deutlich verbessertes Angebot der Arbeitgeber. Bis Montagabend könne ein Anruf des Innungsverbands den Streik noch verhindern.
(Wiesehügel vor Journalisten in Frankfurt; Bungart in Pressemitteilung und auf ddp-Anfrage)
ddp.djn/hos/rab




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