Heidelberg (ddp-bwb). Es klingt wie ein Märchen: Ein reicher Amerikaner mit großer Leidenschaft für das romantische Heidelberg gründet eine Stiftung und zahlt 20 Millionen Euro aus der eigenen Tasche, damit die Universitätsstadt einen neuen Life-Sciences-Campus bauen kann. Und doch ist das Vorhaben Realität. Henry Jarecki, 76 Jahre alt und durch Gold- und Rohstoffhandel sowie als Biotech-Unternehmer zu Reichtum gekommen, unterstützt die Stadt, in der er einst studierte. Diesen Artikel weiter lesen
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«Es ist sehr wichtig, dass Heidelberg ein solches Zentrum bekommt», ist der deutschstämmige Stifter überzeugt. Jarecki hat es sich auf einer Couch im Heidelberger Rathaus gemütlich gemacht, Fragen beantwortet der aufgeräumt wirkende Multimillionär geduldig - sowohl in Englisch als auch in Deutsch. Das Projekt Campus II soll Start-up-Unternehmen anlocken. Der neue Campus, der auf einem ehemaligen Rangier- und Güterbahnhof entsteht, soll Chancen für Firmen bieten, die an der Erforschung und Entwicklung medizinisch-biotechnologischer Projekte arbeiten. Auch die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Energie- und Umwelttechnologie sollen auf dem Campus II heimisch werden.
«Heidelberg war für meine Familie stets eine wichtige Stadt, von hier aus startete meine Karriere, hier hatte ich sehr glückliche Momente», berichtet der Unternehmer. Daher wolle er der Stadt etwas zurückgeben. Ursprünglich stammt Jarecki aus Stettin. Dennoch ist weder sein finanzielles Engagement eine Selbstverständlichkeit, noch seine Liebe für die älteste Universitätsstadt Deutschlands.
Dass die einst in Deutschland einflussreiche Familie Jareckis im Jahr 1938 in die Vereinigten Staaten auswanderte, geschah nicht freiwillig. Das Leben wurde für die jüdische Familie im NS-Staat immer gefährlicher, wie Jarecki berichtet. Seine Familie habe lange Zeit gehofft, es werde für die Juden in Deutschland am Ende doch nicht so schlimm kommen. Aber 1938 hätten alle Zeichen auf Sturm gestanden. «Als der damalige Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht meinem Großvater am Telefon gesagt hat, ´Arthur, es wird Zeit zu gehen´, war klar, dass unser Leben in Gefahr ist», erinnert sich Jarecki, der damals nur durch Glück einigen deutschen Polizisten entkommen konnte.
Nach dem Krieg kehrte der junge Henry Jarecki zurück in das zerstörte Deutschland und studierte wie schon zuvor sein Vater Max in Heidelberg Medizin. 1957 erhielt er den Doktortitel und kehrte in die USA zurück. Dort begann er, sich neben der medizinischen Forschung vor allem für die Finanzmärkte zu interessieren.
Von 1970 an widmete sich der Geschäftsmann dem Goldhandel, später leitete er internationale Börsen- und Handelshäuser und verdiente Geld mit Warentermingeschäften. Als Professor für Psychiatrie ist Jarecki außerdem Mitglied der Medizinischen Fakultät der Yale Universität. 1997 gründete er die Biotech-Firma Psychogenics.
Schon während seiner Studienzeit engagierte sich der angehende Mediziner. Er war einer der Gründer des noch immer existierenden Gewölbes «Heidelberger Cave», das als Deutschlands ältester Studenten-Jazz-Club gilt. «Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir ohne lange zu fragen einfach den Club eröffneten. So etwas war damals möglich, auch wenn manche Nachbarn die Stirn runzelten», berichtet Jarecki und lächelt.
Heute, 70 Jahre nach der Flucht seiner Familie, gehe es ihm um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit. «Das alles ist vor langer Zeit geschehen», sagt er. Deutschland habe sich gewandelt, er habe viele Freunde in der Republik und neben seinem Hauptwohnsitz in New York eine Wohnung in Deutschland.
Heidelbergs parteiloser Oberbürgermeister Eckart Würzner hält die Stiftungsgründung und deren Ausstattung mit 20 Millionen Euro für «einzigartig in Deutschland». Heidelberg müsse als Stadt der Wissenschaft weiterentwickelt werden, «wenn wir die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern wollen», sagt er. Der Wissenstransfer mit der Universität sei Bestandteil des Campus II-Konzeptes.
Auch für Jarecki ist die Chance der interdisziplinären Zusammenarbeit ein großes Plus. «Ich hoffe, dass der neue Campus in Heidelberg die besten Forscher der Welt zusammenbringt.» Nur so könnten die drängendsten Herausforderungen der Menschheit in Angriff zu nehmen, sagt Jarecki. 2011 sollen die ersten Mieter einziehen.
(ddp)




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