Mainz (ddp-rps). Wer Leyendecker mit Nachnamen heißt, stammt mit großer Wahrscheinlichkeit von der Mosel oder vom Mittelrhein. Dort bezeichnet man Schiefer als Ley oder Lay, und wer das Dach damit deckte, war ein Leyendecker. Herr Adenauer war wohl ein Zugereister aus Adenau in der Eifel. In den vergangenen Jahren ist es in Deutschland zum Volkssport geworden, Familiennamen zurückzuverfolgen. Woher die Namen Müller, der Schmied und der Metzger kommen, ist noch einfach zu erkennen. Aber woher kommt der Name Nauth, warum heißen in Oppenheim ein halbes Dutzend Familien Gillot? Diesen Artikel weiter lesen
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Es sind solche Fragen, denen sich Rudolf Steffens, Mitarbeiter am Institut für Geschichtliche Landeskunde in der Abteilung Historische Sprachwissenschaft, seit rund drei Jahren widmet. Ende kommenden Jahres soll sein neuestes Werk erscheinen: der «Familiennamenatlas: Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen» mit rund 120 Karten mit der Verbreitung von Familiennamen in den Bundesländern.
Es ist eine noch junge Disziplin: Vor gut 20 Jahren erstellte der Pionier der Namenforscher, der Freiburger Professor Konrad Kunze, die ersten Karten - indem er seine Studenten schlicht zur Post schickte, um die dort ausliegenden Telefonbücher auszuwerten.
Steffens wichtigstes Arbeitsgerät heute ist der Computer. Ein Programm wertet die Namen der verschiedenen Städte und Orte elektronisch aus. Heraus kommen Karten, die Verblüffendes zeigen: So gibt es in Mainz vierzehn Telefonanschlüsse auf den Namen Dexheimer, in Rheinland-Pfalz sind es 174 - in ganz Deutschland aber nur 363. Zum Vergleich: Den Namen Müller gibt es in deutschen Telefonbüchern 269 000 Mal. Dazu kommt Dexheimer hauptsächlich in Rheinhessen und der Pfalz vor. Klarer Fall für den Forscher: Das kleine Dörfchen Dexheim, südlich von Mainz bei Oppenheim gelegen, ließ einst im Mittelalter seine Menschen in die Ferne ziehen. In der großen Stadt Mainz wurde der junge Peter oder Michael dann zu dem, der aus Dexheim kommt, dem Dexheimer. «Ortsnamen plus -er, das waren Namen für Fremde», sagt Steffens.
Fünf Kategorien über die Entstehung unserer Familiennamen kennt der Sprachforscher: Da gibt es natürlich die Berufe wie Bäcker - der zu Becker oder auch Beck wird - oder eben die Bezeichnung nach der Herkunft. Auch wo das Haus stand, kann einen Namen hervorbringen - das sind dann die Steinmeiers und Furtmeiers, die einst eben am Stein oder an der Furt wohnten. Um 1200 entstanden die ersten Familiennamen im Südwesten, von dort wanderte die neue Mode den Rhein hinauf. 1366 findet sich in Mainz der Name «Jakob Fischer der Weber» - ein eindeutiger Beleg, sagt Steffens: Jakob war zwar Weber, hieß aber Fischer.
Vor allem in den Städten griff die Sitte des Zweitnamens um sich, es war der Wunsch, all die Jakobs und Peters auseinanderzuhalten. Und so gibt es die Beinamen nach dem Vater - wie Ludwigs Sohn, das zu Ludwigs wird - oder auch nach einem Heiligen wie Martin oder Stephan. «Im 14. Jahrhundert war das einfach schick», sagt Steffens. Dazu kommt die Kategorie der Spitznamen: ein Peter Schwarz hatte wohl schwarze Haare, es gab die Herren Grimm, Fröhlich und Kühl, oder auch die Frau Klein, Groß oder Dick.
«Ein Herr Hering war entweder ein Heringshändler, oder jemand, der gerne Heringe aß», sagt Steffens - und ein Herr Deubel habe sicher seinen Namen von dem Teufel. Wer den Namen Bouffier trägt, tarnt sich gut: Bouffier kommt aus dem Französischen, und bedeutet nichts anderes als «Fresser». Französische Namen kamen um 1700 mit den aus Frankreich vertriebenen Hugenotten nach Deutschland, erklärt Steffens. Ein Großteil ging nach Preußen, doch auch in der Pfalz, in Rheinhessen und sogar bis nach Nordhessen hinauf finden die Namensforscher heute ihre Spuren - wie im rheinhessischen Oppenheim die Gillots. Der Name kommt wohl von dem französischen Vornamen Gilles, zu deutsch Egidius.
Der Familienname Nauth wiederum hat lateinische Sprachwurzeln, die Vorfahren seines Trägers waren Fährmänner in Mainz, «nauta» auf Lateinisch. So steht es in einem Klosterverzeichnis von 1315. Allerdings können die Nachnamen auch in die Irre führen. Eine Frau Pabst müsse nun nicht direkt von einem Papst abstammen, sagt Steffens: Der Ahnherr «hat sich vielleicht nur immer verhalten wie ein Papst».
(ddp)




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