Berlin (ddp). Die Wirtschaftskrise wirkt sich offenbar auf die Einstellung der Deutschen zur privaten Altersvorsorge aus. Einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie der Postbank zufolge haben viele Menschen das Vertrauen in die Finanzinstitutionen verloren. Es bestünde die Gefahr, dass aus der Finanz- und Wirtschaftskrise eine Krise der Altersvorsorge werde, sagte Michael Meyer, Vorstandsmitglied der Postbank. Lediglich das Eigenheim halten die Verbraucher noch für eine sichere Altersvorsorge. Diesen Artikel weiter lesen
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Gut 17 Prozent aller vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank befragten Berufstätigen hätten aufgrund der Krise ihre private Altersvorsorge bereits aufgelöst oder reduziert. 32 Prozent hätten angegeben, im Alter über keinerlei Einnahmen aus einer privaten Vorsorge verfügen zu können.
Rund 31 Prozent der Berufstätigen sagten zur Begründung, sie hätten das Vertrauen in Informationen zur privaten Altersvorsorge verloren. 32 Prozent seien unsicher, welche Anlageformen noch Sinn machten. Gleichzeitig gingen jedoch 45 Prozent der Berufstätigen davon aus, durch die Krise bereits Einbußen bei der gesetzlichen Rente erlitten zu haben, sagte Meyer.
Besonders unter jungen Berufstätigen bis 29 Jahre sei die Tendenz ausgeprägt, sich nicht mit dem Thema auseinanderzusetzen, fügte Meyer hinzu. Während im Vorjahr noch 31 Prozent dieser Gruppe angegeben hätten, über einen Riester-Vertrag zu verfügen, sei der Wert 2009 auf 28 Prozent gesunken.
Lediglich das Eigenheim als Maßnahme zur privaten Altersvorsorge genieße noch Vertrauen. Rund 63 Prozent der Berufstätigen betrachten der Studie zufolge die eigenen vier Wände als sichere Vorsorge. 46 Prozent der Befragten gaben zugleich an, noch nie vom sogenannten Wohn-Riester gehört zu haben, das erlaubt, Leistungen aus Riester-Verträgen zur Finanzierung von Wohneigentum zu verwenden.
Um die Akzeptanz der privaten Altersvorsorge zu erhöhen, müssten Modelle wie das Wohn-Riester transparenter und verständlicher gestaltet werden, forderte Meyer. Ein starker Impuls könne von einem direkten staatlichen Zuschuss vergleichbar mit der sogenannten Abwrackprämie ausgehen.
Eine Investition in Immobilien könne auch einer Fehleinschätzung hinsichtlich der künftigen Altersbezüge entgegenwirken, führte Meyer aus. 53 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass die Inflation bei ihrer Planung «keine Rolle» spiele.
Eine am Montag vorgestellte Studie der Deutschen Bank kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass viele Menschen die Auswirkungen der Inflation auf ihre Alterseinkünfte nicht vollständig berücksichtigten. Auch erwarteten 55 Prozent der Deutschen eine zu hohe Rente und gingen von einem Anspruch von 40 bis 60 Prozent des letzten Bruttogehalts aus, warnte ein Rentenexperte der Deutschen Bank.
(Quellen: Meyer in Pressekonferenz; Deutsche Bank in Mitteilung)
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