Flensburg (ddp-nrd). Die seit knapp einer Woche in der Ostsee gesichteten Delfine fühlen sich in dem für sie fremden Gewässer offenbar wohl. Ihr Aufenthalt könnte sich durchaus noch länger hinziehen, sagte die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Petra Deimer, am Freitag in Quickborn im ddp-Interview. Die Meeressäuger blieben so lange, «bis ihnen die Menschen auf die Nerven gehen». «Dann schwimmen sie wieder zurück, weil die Ostsee nicht ihr Heimatgewässer ist», sagte die Meeresbiologin, die sich seit mehr als 30 Jahren mit Meeressäugetieren beschäftigt. Diesen Artikel weiter lesen
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Seit vergangenem Sonntag wurden in der Ostsee mehrere Delfine gesichtet. In der Geltinger Bucht «verabschiedete» ein Meeressäuger Boote beim Verlassen des Geltinger Hafens mit akrobatischen Sprüngen und mit Schlägen der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche. Am Donnerstag und Freitag entdeckte die Wasserschutzpolizei im Flensburger Innenhafen ein etwa 1,50 Meter großes Muttertier und ihr Junges in dem vier Meter tiefen Hafenbecken.
Deimer vermutet, dass es sich bei dem Jungtier um kein blutjunges Kalb handelt. Wahrscheinlich sei es im Frühjahr geboren worden, weshalb es problemlos mit der Mutter mithalte. Auch spielen die niedrigeren Wassertemperaturen in der Ostsee der Meeresbiologin zufolge keine Rolle für die Delfine. Eine dicke Speckschicht halte die Körper der Warmblüter warm. Eine Gefahr sei neben der Umweltverschmutzung, dass die Tiere sich in den flächendeckenden Stellnetzen verfangen und darin sterben könnten.
Nach Angaben von Deimer kommen die wanderlustigen Delfine über die Nordsee durch Skagerrak und Kattegat in die westliche Ostsee. Bereits vor fünf Jahren hatte es eine sogenannte große Schule von bis zu zwölf Tieren in die Ostsee verschlagen, wo sie jedoch in Stellnetze geriet und starb. Ebenso wurden in den vergangenen Jahren Buckelwale und Finnwale in der Ostsee gesehen.
Laut der Meeresbiologin sind die sozial veranlagten Tiere auf der Suche nach Nahrung, weil die Fischbestände in den Weltmeeren überfischt sind. «Daraus ergeben sich zwangsläufig weiter ausgelegte Wanderungen», sagte Deimer. Im Moment finden die Delfine in der Ostsee ausreichend Futter wie den gefährdeten Hering. «Aber natürliche Beutegreifer haben noch nie einen Bestand ausgerottet. Das macht höchstens der Mensch», sagte die GSM-Vorsitzende.
Deimer bat abermals dringend darum, die Delfine in Ruhe zu lassen: «Die Tiere dürfen nicht bedrängt werden. Und es soll bloß keiner auf die Idee kommen, sie retten zu müssen. Das können die alleine.»
(ddp)




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