Prag/Stara Boleslav (ddp). Zum Abschluss seines dreitägigen Tschechien-Besuchs hat Papst Benedikt XVI. die Jugend des stark säkularisierten Landes zum Glauben ermutigt. Nach einem Freiluftgottesdienst anlässlich der Nationalwallfahrt zum Heiligen Wenzel, dem Schutzpatron der böhmischen Länder, mit mehr als 50 000 Gläubigen richtete das Kirchenoberhaupt eine Botschaft an die Jugendlichen und warnte sie vor den Verlockungen der Konsumgesellschaft. Bei seiner Verabschiedung auf dem Prager Flughafen bekannte sich der Papst zum Dialog mit anderen christlichen Kirchen. Diesen Artikel weiter lesen
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Bei der zweiten großen Messfeier seines Tschechien-Besuchs rief Benedikt XVI. die Bevölkerung zum Streben nach Heiligkeit auf. «Es reicht nicht, einen guten und ehrlichen Eindruck zu machen, man muss es wirklich sein», sagte der Papst in seiner auf Italienisch gehaltenen Predigt. Wer Gott leugne und daher auch den Menschen nicht achte, scheine ein leichtes Leben zu haben und materiellen Erfolg zu erzielen. «Aber es genügt, an der Oberfläche zu kratzen, um festzustellen, dass in diesen Menschen Traurigkeit und Unzufriedenheit herrscht.»
Nötig seien heute «gläubige und glaubwürdige» Menschen, die bereit seien, christliche Prinzipien und Ideale zu verbreiten. Der wahre Wert des Lebens werde nicht nur in irdischen Gütern und vergänglichen Interessen gemessen: «Denn es sind nicht die materiellen Dinge, die den tiefen Durst nach Sinn und Glück stillen, den es im Herzen eines jeden Menschen gibt.»
In seiner Ansprache an die Jugendlichen rief der 82-Jährige nach der Messfeier: «Mit Euch fühlt sich auch der Papst jung!» In jedem Jugendlichen gebe es ein Streben nach Glück, das «von der heutigen Konsumgesellschaft oft auf falsche und entfremdende Weise ausgenutzt» werde. «Leider lassen sich nicht weniger von euren Altersgenossen durch illusorische Trugbilder von künstlichen Paradiesen verlocken und finden sich dann in trauriger Einsamkeit wieder.»
Auf Deutsch wandte sich der Papst auch an die Pilger aus den deutschsprachigen Ländern: «Eure Teilnahme an diesem Fest des Glaubens und der Hoffnung ist ein Zeichen dafür, dass ihr in Jesus Christus und in der Gemeinschaft der Kirche die Antworten auf eure Fragen und inneren Wünsche sucht.»
Nachdem der Papst am Wochenende vor allem den 20. Jahrestag des Mauerfalls und die Frage nach dem Zusammenhang von Freiheit und Wahrheit in den Mittelpunkt gerückt hatte, konzentrierte er sich am Montag auf religiöse Aussagen. Rund 60 Prozent der tschechischen Bevölkerung sind konfessionslos, nur etwas mehr als ein Viertel ist katholisch.
Benedikt XVI. war am Samstag in Prag begrüßt worden und mit Spitzenvertretern von Politik und Gesellschaft zusammengetroffen. Am Sonntag feierte er einen Freiluftgottesdienst mit rund 120 000 Menschen in Brno (Brünn), sprach zu Vertretern der akademischen Welt und mit Repräsentanten anderer Kirchen.
Bei seiner Verabschiedung sagte der Papst, seine Begegnung mit Repräsentanten anderer christlicher Gemeinschaften habe ihm die Notwendigkeit des ökumenischen Dialogs in diesem Land bestätigt, das so stark unter den Folgen der religiösen Spaltung zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs gelitten habe. Tschechiens Staatspräsident Václav Klaus wertete den dreitägigen Papst-Besuch als «unvergesslich». Die Menschen im Land hätten die Einladung Benedikts zum gegenseitigen Verständnis, zu Toleranz und Frieden sowie die Botschaft der Vernunft, des Glaubens und der Ethik aufmerksam verfolgt und auch verstanden. «Sie haben uns neue Hoffnung gebracht», betonte Klaus.
(ddp)




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