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Prominente machen sich für Polanskis Freilassung stark

Zürich/Paris (ddp). Nach der Verhaftung von Roman Polanski in der Schweiz machen sich dessen Anwälte und Prominente für eine sofortige Freilassung des Oscar-prämierten Regisseurs stark. Das mutmaßliche Opfer Polanskis habe bereits vor Jahren auf weitere Schritte verzichtet, sagte der französische Anwalt Hervé Temime der Zeitung «Le Figaro» (Internetausgabe). Außerdem sehe er das «Problem der Verjährung». Der Schweizer Strafverteidiger Lorenz Erni, der den Regisseur am Wochenende hinter Gittern aufgesucht hat, sagte: «Herr Polanski war sehr müde. Er wirkte gefasst, zugleich aber auch schockiert.» Diesen Artikel weiter lesen

Polanski war am Samstag bei seiner Ankunft in Zürich verhaftet und auf der Basis eines US-Haftbefehls in provisorische Auslieferungshaft genommen worden. Hintergrund ist ein seit den 70er Jahren anhängiges Verfahren wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen. Der Regisseur sollte am Sonntagabend beim Zurich Film Festival für sein Lebenswerk geehrt werden.

Temime sagte, aus menschlicher Sicht erscheine es ihm unerträglich, dass mehr als 30 Jahre nach den Vorfällen ein 76-jähriger Mann, der keine Gefahr für die Gesellschaft darstelle, auch nur einen Tag im Gefängnis verbringen müsse. Mit einer Festnahme hätten sie überhaupt nicht gerechnet, da Polanski seit Jahren regelmäßig in die Schweiz reise. Der Filmemacher besitze in Gstaad sogar ein Chalet. Bisher sei er zu keiner Zeit von der schweizerischen Justiz behelligt worden.

In einer Erklärung von Temime hieß es, Polanski nehme das Auslieferungsbegehren aus den USA, das illegal sei, nicht hin. Sein Schweizer Anwalt beantrage seine unverzügliche Freilassung, eventuell unter Auflagen.

Nach einem Bericht der Zeitung «Los Angeles Times» war Polanskis Verhaftung genau geplant. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Los Angeles, Sandi Gibbons, berichtete dem Blatt, dass ihre Behörde in der vergangenen Woche von Polanskis Reiseplänen nach Zürich erfahren habe. Daraufhin sei ein Auslieferungsantrag beim US-Justizministerium gestellt worden, der von dort aus an die Behörden in der Schweiz weitergeleitet worden sei. Zuvor seien Pläne einer Verhaftung Polanskis nach ihren Worten mehrfach daran gescheitert, dass der Regisseur davon erfahren und seine Reisen in die jeweiligen Länder abgesagt habe.

Zu der Frage, warum Polanski gerade jetzt in der Schweiz verhaftet wurde, sagte der Sprecher des Eidgenössischen Justiz und Polizeidepartements (EJPD), Guido Balmer: «Über etwaige geplante frühere Festnahmen können wir nichts sagen. Nur so viel: Herr Polanski war früher in der Schweiz. Kontrollieren konnten wir ihn aber nicht. Wir hatten auch keine konkreten Informationen über ein Chalet oder diesbezügliche Besitzverhältnisse.» Polanski habe jetzt festgenommen werden können, weil «klar war, wann er wo einreisen wird», wurde Balmer vom Internetportal blick.ch zitiert.

Laut «Figaro» haben zahlreiche Künstler aus der Filmbranche eine Petition für die sofortige Freilassung unterzeichnet, darunter Costa-Gavras, Wong Kar-Wai, Fanny Ardant und Monica Bellucci. Französische Politiker wie Außenminister Bernard Kouchner äußerten sich ebenfalls kritisch über die Festnahme.

Nach Angaben der polnischen Tageszeitung «Gazeta Wyborcza» (Onlineausgabe) will Polens Außenminister Radek Sikorski gemeinsam mit Kouchner bei US-Außenamtschefin Hillary Clinton eine Freilassung Polanskis erreichen. Dem Blatt zufolge forderten dies auch polnische Filmschaffende, darunter Andrzej Wajda, in einer Erklärung. Auch die Internationalen Filmfestspiele Berlin protestierten gegen «die willkürliche Behandlung» Polanskis.

Polanski hatte sich 1978 schuldig bekannt, mit einer 13-Jährigen Sex gehabt zu haben. Aus Furcht vor einer Gefängnisstrafe war er zunächst nach England und schließlich nach Frankreich geflohen. Der polnische Regisseur nahm 1975 die französische Staatsbürgerschaft an und lebt in Frankreich. Aufgrund des Haftbefehls vermied er Reisen in die USA. Der Oscar als bester Regisseur für «Der Pianist» wurde ihm 2003 in Abwesenheit verliehen.

(ddp)

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