Magdeburg (ddp-lsa). Der Berufungsprozess wegen des Neonazi-Überfalls auf Theaterschauspieler in Halberstadt im Juni 2007 ist bereits am ersten Prozesstag zu Ende gegangen. Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenkläger einigten sich am Montag vor dem Magdeburger Landgericht auf eine allseitige Rücknahme der Berufung gegen das Urteil vom 28. Mai 2008. Das Urteil ist damit rechtskräftig. Diesen Artikel weiter lesen
Einer der Schläger des Überfalls war damals als einziger Tatbeteiligter wegen schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Der heute 24-Jährige hatte ebenso wie Staatsanwaltschaft und Nebenklage Berufung gegen das Urteil eingelegt. Jens Glaser, der Verteidiger des Angeklagten, begründete die Entscheidung seines Mandanten am Montag damit, dass dieser bei guter Führung im August 2010 aus der Haft entlassen werden könnte.
Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg hatte zum Prozessauftakt den Angeklagten darauf hingewiesen, dass sich seine Haftzeit verkürzen könne, wenn alle Seiten die Berufung zurückzögen. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger würden einen solchen Schritt in Erwägung ziehen, sagte Sternberg. Ansonsten könne der Angeklagte ohne eine vorzeitige Entlassung bis zum 8. Oktober 2010 in Haft bleiben. «Die Zeit läuft gegen Sie», sagte der Richter.
Nach einer 45-minütigen Beratungspause einigten sich alle Seiten auf die Rücknahme der Berufung. Verteidiger Glaser begründete im Anschluss an die Verhandlung die Entscheidung seines Mandaten damit, dass sich diesem neue Perspektiven eröffnet hätten.
Im ersten Prozess hatte der junge Mann ein Teilgeständnis abgelegt. Der Angeklagte ist unter anderem wegen Körperverletzungsdelikten vorbestraft. Vorstrafen wegen rechtsgerichteter Straftaten existierten nicht. Drei Mitangeklagte waren aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.
In der Nacht zum 9. Juni 2007 hatte eine Gruppe Rechtsextremer 14 junge Schauspieler überfallen, die in Halberstadt ihre Premiere des Kult-Musicals «Rocky Horror Picture Show» im Bergtheater Thale feiern wollten. Der Überfall, bei dem fünf Schauspieler schwer verletzt wurden, hatte bundesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt.
(ddp)




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