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Sudetendeutsche erwarten Papst-Wort zur Vertreibung

München/Prag (ddp). Er schrieb an den Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz, ließ 5000 Faltblätter drucken und ein riesiges Transparent anfertigen. Der Besuch von Papst Benedikt XVI. am Wochenende in Tschechien soll nach dem Willen des oberbayerischen Bezirkschefs der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Johann Slezak, nicht verstreichen, ohne dass auf das Schicksal der Heimatvertriebenen hingewiesen wird. «Ich erwarte vom Papst, dass er die ehemaligen deutschen Bürger der Tschechischen Republik begrüßt, die ihre Heimat verlassen mussten», sagt Slezak. «Er muss nicht anklagen, wir erwarten nur ein Wort darüber.» Diesen Artikel weiter lesen

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Und hören möchte der Vertriebenenfunktionär dieses Wort auf Deutsch. Die Nachricht, der deutsche Papst werde aus Rücksicht auf tschechische Empfindlichkeiten nicht in seiner Muttersprache sprechen, ließ Slezak vor wenigen Wochen Alarm schlagen. Er wandte sich an die Presse und schrieb dem Papst über die «Betroffenheit» der Sudetendeutschen. Sollte Benedikt beim Besuch «in unserer Heimat» nicht nur die Vertreibung nicht ansprechen, sondern sich nicht einmal der deutschen Sprache bedienen, wäre dies eine Vertreibung aus der Geschichte, warnte er. Der Brief, der unbeantwortet bleiben sollte, endete mit der Ankündigung: «Wir werden zumindest an einem Besuchsort in der Tschechischen Republik dabei sein und uns zu erkennen geben.»

Bei der Freiluftmesse in Brno (Brünn) am Sonntag wollen Slezak und seine Mitstreiter aus der Bezirksgruppe dem Kirchenoberhaupt ein zweieinhalb Meter großes Transparent entgegenrecken. Darauf ist auf Deutsch und Tschechisch zu lesen: «Sudetendeutsche begrüßen den Papst in ihrer Heimat Böhmen und Mähren.» Außerdem will Slezak Faltblätter über die Kirchengeschichte der Deutschen in Böhmen und Mähren verteilen.

Auch an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, adressierte Slezak einen Brief - mit dem Appell, sich im Vatikan für die Sudetendeutschen stark zu machen. Mit der Antwort des Sekretärs der DBK, Hans Langendörfer, zeigt sich der Vertriebenenfunktionär «überhaupt nicht zufrieden». Darin heißt es unter Berufung auf die tschechische Kirche, der Papst werde aus «rein praktischen Gründen» Englisch sprechen, damit er von den jungen Menschen besser verstanden werde.

Slezak hält dies für eine Ausrede und verweist darauf, dass die meisten älteren Tschechen deutlich besser Deutsch verstünden als Englisch. Das gleiche gelte für Pilger aus Ungarn und der Slowakei. Der Papst würde sich daher seiner Meinung nach «keinen Gefallen tun», nur Englisch und Italienisch zu sprechen.

Der Sprecher und damit oberste Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, dagegen mahnt zur Zurückhaltung. Die «schwierige Pilgerreise des Papstes» solle nicht mit dem Streit über die Sprache oder über schwierige Themen belastet werden. «Natürlich wäre es schön, wenn er wie auch schon sein Vorgänger teilweise Deutsch sprechen würde», betont der CSU-Europaparlamentarier. «Aber das ist seine Entscheidung.»

Schließlich komme es darauf an, was er sage und nicht in welcher Sprache. Daran, dass Benedikt «sehr viel Verständnis» für die Vertriebenen hat, gibt es für Posselt keinen Zweifel. Noch heute schicke er zum Tag der Heimat dem Bund der Vertriebenen jedes Jahr ein Grußwort. «Vor wenigen Tagen hat er das wieder gemacht.»

Etwas trösten vermag Slezak bislang immerhin die Ankündigung, dass der Papst in Tschechien zumindest mit Staatspräsident Václav Klaus Deutsch sprechen wird. Der Bezirkschef verlangt aber, dass Benedikt XVI. es nicht dabei belässt und sich auch bei anderen Gelegenheiten auf seine Muttersprache besinnt: «Ich erwarte wirklich, dass er das tut.»

(ddp)

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