Berlin (ddp). Giovanna läuft mit ausgestreckter Zunge nervös von einer Seite des Geheges zur anderen. Dann hält sie kurz inne und erschnuppert ein Brötchen aus einigen Metern Entfernung. Die Eisbärin aus München ist am Mittwoch auf ihrer ersten Erkundungstour im Berliner Zoo. Ein kurzes Schütteln - und schon verschwindet sie ein bisschen ungeschickt im Wasserbecken. Diesen Artikel weiter lesen
Ähnliche Fotos/Videos
«Ist das Knut?», fragen sich Schüler einer achten Klasse. Und auch andere Besucher sind sich nicht sicher, ob sie ihren Liebling Knut sehen oder ob der Eisbär im Gehege ein anderer ist. «Ganz klar, Giovanna ist viel temperamentvoller als Knut, rennt und schwimmt viel mehr», erkennt dagegen eine 77-jährige Berlinerin. Eine Münchnerin sieht einen anderen Unterschied: «Knut ist viel schmutziger, er wälzt sich ständig im Sand. Giovanna ist größer, eine richtige Pummelfee.» Außerdem fresse sie nur, wenn sie allein sei, erzählt Tierpfleger Ronny Henkel.
Seit Mittwoch ist Giovanna, die am 8. September aus München nach Berlin gekommen ist, auch für die Zoobesucher zu sehen. Die aus Italien stammende Eisbärin ist ebenfalls zwei Jahre alt und könnte Knuts neue Gefährtin werden. «Nächste Woche werden die beiden Eisbären zusammengeführt», sagt Zoodirektor Bernhard Blaskiewitz. Große Befürchtungen gebe es nicht, schließlich haben die beiden sich schon ein bisschen hinter dem «Schmusegitter» beschnuppert. Nur ein bisschen Knurren zu Beginn war zu hören.
«Knut war sehr neugierig und hat immer am Gitter gestanden, Giovanna hingegen war nicht sehr interessiert und hat ihn die meiste Zeit ignoriert», sagt Henkel. Ob die beiden sich schließlich vertragen, ist ebenso offen wie die Frage, ob Giovanna tatsächlich nur neun Monate lang im Berliner Zoo bleibt.
Auf jeden Fall ist sie für den Zoo ein Glücksfall. »Zum einen helfen wir dem Zoo in München, seine Gehege ausbessern zu können, zum anderen bedeutet das für Knut mehr soziale Kompetenz«, sagt Henkel. Schließlich gebe es Eisbären nicht »auf dem Grabbeltisch«.
Giovannas Gehege im Münchner Tierpark Hellabrunn wird in den nächsten neun Monaten renoviert. Bis dahin wird sie sich in Berlin mit Knut den Bärenspielplatz teilen. «Giovanna wird seine erste große Sandkastenliebe, ganz bestimmt», sagt der elfjährige Knutfan Patrick. Die nächsten zwei Tage aber hat die Bärin das Außengehege noch ganz für sich. «Sie muss sich erst an die neue Situation gewöhnen«, erklärt Bärenkurator Heiner Klös. Vor allem der Geruch von Knut mache die Eisbärin nervös, gar nicht so sehr die vielen Zuschauer, die kenne sie auch schon aus München.
Knut muss deshalb noch zwei Tage lang in seinem Käfig bleiben. «Knut stört das nicht, er freut sich über die viele Aufmerksamkeit der Pfleger und wird die ganze Zeit bespaßt», versichert der Tierpfleger.
In freier Wildbahn leben nur noch um die 25 000 Eisbären. Seit 2007 stehen sie unter Artenschutz. Während es vor einigen Jahren noch die unkontrollierte Jagd durch Wilderer war, die die Tiere bedrohte, ist es heutzutage vor allem die globale Erwärmung. »Jedes Jahr gibt es ungefähr 1000 Eisbären weniger, wir leisten also einen Beitrag zu ihrer Arterhaltung«, erklärt der Zoodirektor. Knut habe das Bewusstsein für diese Tiere geweckt und viel bewegt, fügt auch Bärenkurator Klös hinzu. »Knut ist der Botschafter für die frei lebenden Eisbären.» Und Giovanna wird wohl auch einer.
(ddp)




Wellington (AFP) - Südlich von Neuseeland sind Eisberge gesichtet worden.
Flusspferde töten Krokodil