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Gefängnisinsassen sind psychologisch unterversorgt

Strafgefangene haben nach dem deutschen Recht Anspruch auf umfassende medizinische und psychologische Versorgung. Für Inhaftierte gilt damit das gleiche Recht wie für in Freiheit lebende Menschen. Doch laut einer in der Fachzeitschrift "Psychiatrische Praxis" veröffentlichten Studie vom Hanse-Klinikum Stralsund sieht die Realität anders aus: Die psychischen Leiden von Strafgefangenen werden hierzulande selten erkannt und noch seltener behandelt. Diesen Artikel weiter lesen

Untersucht wurden in der Studie der psychische Gesundheitszustand von 102 Gefängnisinsassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stralsund. Die männlichen Inhaftierten waren im Schnitt 31 Jahre alt und verbüßten Haftstrafen bis zu drei Jahren. Dabei zeigte sich, dass 80 Prozent der Gefangenen eine schwere Persönlichkeitsstörung aufwiesen und 50 Prozent unter einer Abhängigkeitserkrankung, einer Depression oder einer Angststörung litten. Die Mehrheit der Inhaftierten gilt damit als behandlungsdürftig. Allerdings kümmert sich in der JVA Stralsund nur ein Psychiater um die seelischen Belange der Gefangenen - was kein Einzelfall in Deutschland sein soll. Laut der Studienleiterin, Dr. Manuela Dudeck, neigt die Justiz dazu, nur schwere Gewaltverbrecher untersuchen zu lassen. Alle anderen blieben häufig ohne Begutachtung und Hilfe.

Das ist nach Angaben der Wissenschaftler insofern problematisch, als dass viele Häftlinge bereits vor ihrer Inhaftierung unter psychischen Problemen litten. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits ein Drittel aller Inhaftierten in stationär psychiatrischer Behandlung war", erklärt Dudeck. Ferner ergab die Studie, dass etwa jeder sechste Gefangene Selbstmordgedanken hegte. Fast ebenso viele berichteten über Selbstverletzungen in Form von Ritzen und Brandwunden.

Der Europarat fordert seit Jahren eine bessere Therapie für Gefangene. Doch Deutschland kommt dieser Forderung bislang nicht nach. "Die Verschreibung von Psychopharmaka sollte neben psychiatrisch-psychologischer Betreuung zum Gefängnisalltag gehören", meint Dudeck gegenüber der Zeitschrift. Auch sei es wichtig, suchtspezifische Therapieangebote zu unterbreiten, da viele Gefangene drogen- oder alkoholsüchtig seien.

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