Jedes Jahr beeindrucken Game-Entwickler und Kino-Regisseure mit immer neuen 3D-Effekten. Die Figuren wirken realistischer, die Szenen plastischer. Wie schaffen es Computergrafiker, dreidimensionale Welten so natürlich wirken zu lassen? Diesen Artikel weiter lesen
Tatsächlich fehlt dem Kinogänger die dritte Dimension ja immer noch, wenn nicht gerade stereoskopische Brillen zum Einsatz kommen. Doch ausgefeilte Beleuchtungsmodelle suggerieren Räumlichkeit, wo keine ist: Virtuelles Licht kommt punktförmig oder diffus, wird von Oberflächen reflektiert oder gebrochen, wirft Schatten. Aber die Physik der Lichtverhältnisse ist so komplex, dass sie selbst mit massivem Computereinsatz nicht in den Griff zu bekommen ist.
Software für 3D-Animationen beschränkt sich darauf, einen kleinen Ausschnitt der Beleuchtungssituation zu modellieren. Wichtigstes Prinzip dabei: nur solche Lichtstrahlen berechnen, die auch wirklich das Auge des Betrachters erreichen -- alle anderen vergeuden nur Rechenzeit. Es kommt also auf die "Sehstrahlen" an. Dennoch wird dies auf absehbare Zeit nicht in Echtzeit möglich sein. Filmstudios lassen ganze Rechnerparks monatelang die Lichtverhältnisse in den Szenen berechnen.
Drei Ressourcen braucht man für 3D-Filme in großem Maße: Grafiker, Computer und Zeit. Die Grafiker entwerfen am Computer zunächst 3D-Figuren, die in den Szenen auftauchen sollen. Sie versehen die glatten Körper mit Texturen, damit sie realistischer wirken - wie eine Tapete auf einer Wand. Sogenannte "Bump Maps" erzeugen Dellen und Risse im Körper, wie sie richtige Menschen und Tiere ja auch haben. Schließlich legen die Grafiker die Transparenz und das Reflexionsverhalten ihrer Geschöpfe fest. Dann erst werden die dreidimensionalen Bilder der Szene aus virtuellen Figuren und Lichtquellen erzeugt.
"Während ein Realfilm acht bis zwölf Wochen engster Zusammenarbeit beim Dreh auf dem Set erfordert, waren es bei 'Urmel aus dem Eis' zwei Jahre", sagt Regisseur Holger Tappe. "In unserer Art der Filmherstellung gibt es jede Woche einen aktualisierten Film, der sich Schritt für Schritt weiter entwickelt. Wenn er beispielsweise eine neue Szene enthält, dann existiert zu dieser möglicherweise erst einmal eine Zeichnung - und ein paar Tage später ist diese dann animiert. Die Figuren bewegen sich dann in einem Schwarzweißbild. Der nächste Schritt wäre schließlich die Farbe."




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