Rock & Pop CD-Corner

Frankfurt/Main (apn) In der CD-Corner werden die aktuellen Alben von Sade, Michael Bolton, Tegan And Sara, The Magnetic Fields und Peter Finger vorgestellt. Diesen Artikel weiter lesen

--- «Soldier Of Love» - Sade (Sony/BMG)

Sade ist zurück: Zehn Jahre nach ihrem letzten Album «Lovers Rock» feiern die nigerianisch-britische Soul-Sängerin Sade Adu und ihre Band ein gelungenes Comeback. In den 80er und 90er Jahren begleitete das Ex-Model mit ihrer sanft-tiefen Stimme und kühlen Herzschmerz-Bar-Lounge-Hits wie «Smooth Operator», «The Sweetest Taboo» oder «No Ordinary Love» eine Generation durch die schwierigen Phasen des Erwachsenwerdens. Ihre Alben «Diamond Life» (1984), «Promise» (1985), «Stronger Than Pride» (1988), «Love Deluxe» (1992) und «Lovers Rock» (2000) sind allesamt legendär. Für ihr Comeback-Album hat sich die inzwischen 51-jährige Sade, die mit ihrer 13-jährigen Tochter, ihrem Lebensgefährten und dessen Sohn im ländlichen Gloucestershire lebt, bewusst länger Zeit gelassen. «Man kann sich als Künstler nur weiter entwickeln, wenn man sich selbst die Gelegenheit gibt, als Mensch zu reifen», erklärt sie. «Wir sind mittlerweile alle Eltern, unsere Leben gingen weiter. Ich hätte 'Soldier Of Love' nicht früher machen können als jetzt. Und auch wenn die Wartezeit für die Fans unglaublich lang war, was mir sehr leidtut, so bin ich doch sehr stolz auf das Album.» Trotz der langen Pause scheint die Zeit auf dem sechsten Longplayer fast stehengeblieben zu sein. Klingt die als Helen Folasade Adu in Nigeria geborene Sängerin genauso schillernd, elegant und gefühlvoll wie früher. Abgesehen vom Titelsong sind alle Nummern sehr gedämpft, nachdenklich und zeitlos. Einzig und allein sticht «Soldier Of Love» heraus. Hier zeigt sich die Band experimentierfreudig, mischt Western-Sound mit Militär-Marsch und coolen Grooves, während die Soul-Göttin «I'm still alive» singt. Wir sind sehr froh darüber. (Claudia Ziemer)

--- «One World One Love» - Michael Bolton (Universal)

Braun gebrannt und charmant lächelnd blickt Michael Bolton vom Cover seines neuen Albums. Easy Listening für den romantischen Abend - der 57-jährige Balladenprofi zieht alle Register. Dezent arrangiert er einen modern wirkenden Sound um seine Stimme, die auch bei geringer Lautstärke immer präsent ist. «Just One Love» ist mit eingängigem Refrain der übliche Hit-Verdächtige; ungleich raffinierter beginnt das Album mit «Ready For You» und endet mit Van Morrisons «Crazy Love». In den 90er Jahren hatte Bolton eine Platinum-Serie von Hits in den USA; seine Version von Percy Sledges «When A Man Loves A Woman» brachte ihm sogar einen Grammy ein. Sein größter Erfolg war «Love Is A Wonderful Thing». «One World One Love» setzt die Tradition typischer Michael-Bolton-Rendezvous-Alben fort. «Blue Eyed Soul», nicht mehr ganz so testosteron-gesteuert wie damals, aber noch immer sehr an dem orientiert, was viele Frauen mögen. (Uwe Käding)

--- «Sainthood» - Tegan And Sara (Warner)

Die beiden Zwillingsschwestern aus Kanada sind nun bei einem Major-Label angekommen. Poppiger sind Tegan und Sara geworden, «Sainthood» ist das sechste Studioalbum und dreht sich in weniger als 40 Minuten um Hingabe, Täuschung, bestimmte Verhaltensweisen und das Streben nach Liebe in Beziehungen. «Hell», «Alligator», «On Directing» - bei Tegan und Sara wird nichts schöngefärbt. Schade, dass die punkigen Gitarren ihrer Anfangszeit - der kanadische Landsmann Neil Young nahm die Schwestern unter seine Fittiche - inzwischen sanfteren Klängen gewichen sind. Auf der anderen Seite haben die Lieder an Melodik und Harmonien gewonnen. Die 29-Jährigen setzen mehr auf ihren zweistimmigen Gesang, nun das wichtigste Element ihrer Musik. «Don't Rush» und «The Cure» sind die besten Beispiele dafür. Nur wer die frühen Punkerinnen kennt, wird die Wildheit von damals vermissen. Tegan And Sara haben es noch drauf, etwa in «Northshore», insgesamt geht «Sainthood» aber Richtung Pop. (Uwe Käding)

--- «Realism» - The Magnetic Fields (Nonesuch/Warner)

Stephen Merritt schließt mit «Realism» eine synthesizer-freie Trilogie seiner Magnetic Fields ab, heißt es. Der US-Songwriter, der seine Fans seit 1989 immer wieder musikalisch umgarnt und dann zielsicher wieder vor den Kopf gestoßen hat, bleibt seiner Linie treu: «You Must Be Out Of Your Mind» beamt sich zurück in die 60er, und zwar in eine weitgehend Beatles-Dylan-Doors-Stones-freie Zone, und um da bloß keinen Zweifel zu lassen, lässt er ein volksmusikalisches «We Are Having A Hootenanny» aus den Boxen schallen. Das klimpert häufig zwischen Kinderlied und Musikantenstadl für Songwriter, das ganze aber mit Witz, auch in gerade Mal zwei Minuten langen Liedern untergebrachten Anspielungen - «Everything Is One Big Christmas Tree» und «Dada Polka» etwa. Das Album ist zwar mit knapp 34 Minuten recht kurz, wegen allerlei verschrobener Zumutungen aber keine leichte Kost. (Uwe Käding)

--- «The Elf King» - Peter Finger (Acoustic Music)

Als Peter Finger 1977 mit akustischer Sologitarre rockige Songs einspielte, war er der viel späteren MTV-Unplugged-Serie Jahre voraus. Die Klangzaubereien in offenen Stimmungen, ein Gefühl für Rhythmus und Melodie machten «The Elf King» zu etwas Besonderem in einer Zeit, in der die Sologitarrenszene von Blues, Ragtime und Fingerstyle geprägt wurde. Aufgenommen wurde damals in London, «The Elf King» erschien bei Kicking Mule Records. Der «Elf King» ist niemand anderes als Goethes «Erlkönig», auch den «Zauberlehrling» hat er von dem Klassiker entliehen und im Booklet auf deutsch und englisch abgedruckt. Die Wiederveröffentlichung bei Fingers eigenem Label Acoustic Music Records eröffnet nun Sammlern die Möglichkeit, sich diese musikalische Besonderheit zu besorgen. (Uwe Käding)

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