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20 Jahre nach der Wende Der Fall der Dominosteine

Berlin (AP) Es soll ein Riesenspektakel werden: Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am (morgigen) Montag sollen Jon Bon Jovi, Michail Gorbatschow und Daniel Barenboim am Brandenburger Tor für Gefühle sorgen und die friedliche Revolution von 1989 in Erinnerung rufen. Höhepunkt der zentralen Gedenkveranstaltung ist der neuerliche Fall der Mauer - nachgestellt mit rund 1.000 überdimensionalen Dominosteinen. Zum «Fest der Freiheit» reisen Staatsgäste und Friedensnobelpreisträger aus aller Welt an. 31 aktive und ehemalige Staats- und Regierungschefs werden erwartet. Diesen Artikel weiter lesen

Die Feiern beginnen am Jahrestag bereits nachmittags (15.00 Uhr) mit einem historischen Spaziergang von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Bornholmer Straße. An diesem ehemaligen Grenzübergang testeten am 9. November 1989 die DDR-Bürger massenweise das überraschend verkündete Recht zur Ausreise in den Westen. Auch Merkel kam an diesem Tag von Ost- nach Westberlin. Nun will sie den Gang mit 200 ausgewählten Bürgerrechtlern und Zeitzeugen, dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Gorbatschow und dem früheren polnischen Solidarnosc-Führer Lech Walesa wiederholen.

Für den frühen Abend (18.00 Uhr) ist ein Empfang für die Staatsgäste - darunter der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der britische Ministerpräsident Gordon Brown, der russische Präsident Dimitri Medwedew und US-Außenministerin Hillary Clinton in Vertretung von Präsident Barack Obama - bei Bundespräsident Horst Köhler geplant. Danach beginnt um 19.00 Uhr die eigentliche Feier für Honoratioren und Bürger am Brandenburger Tor. Mit ihr soll an die emotionalen Momente vor 20 Jahren erinnert werden, als sich wildfremde Menschen überglücklich in den Armen lagen und bei Trabi-Paraden in West-Berlin in Jubel ausbrachen.

«Wir waren nicht zu Untertanen geboren»

Am Brandenburger Tor eröffnet die Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim das Fest, spielt unter anderem Werke von Wagner, Schönberg und Beethoven. Jon Bon Jovi präsentiert ein selbst komponiertes Revolutionslied mit dem Titel «We weren't born to follow» (»Wir waren nicht zu Untertanen geboren»). Reden halten sollen Gorbatschow und der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Erwartet werden auch die Friedensnobelpreisträger Kofi Annan und Muhammed Yunus.

Dass das Ganze ein bisschen an «Wetten dass...?» erinnern könnte, liegt daran, dass Thomas Gottschalk als Moderator auftritt, das Spektakel vom ZDF übertragen wird und der Höhepunkt der Show wie eine Wette anmutet: Geplant ist, dass eine fast zwei Kilometer lange Reihe von riesigen, der Berliner Mauer nachempfundenen Dominosteinen vom Potsdamer Platz am Brandenburger Tor vorbei bis zur Spree umfallen soll. Angestoßen werden sollen sie auf der einen Seite von Walesa, auf der anderen Seite von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek.

Erinnerung an den Dominoeffekt

15.000 Jugendliche haben die jeweils 2,50 Meter hohen und 40 Zentimeter tiefen Styropor-Steine künstlerisch gestaltet. Das Fallen der Steine soll an den Dominoeffekt erinnern, den der Mauerfall in ganz Europa auslöste. Zum Abschluss des Fests soll eine Hymne aufgeführt werden, die Techno-DJ Paul von Dyk schrieb: «We are one», heißt sie.

Eine weitere Festveranstaltung ist am ehemaligen Grenzübergang Helmstedt-Marienborn, der Gedenkstätte Deutsche Teilung, geplant. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Christian Wulff und Wolfgang Böhmer, laden zu einem ökumenischen Gottesdienst und einem Fest ein, bei dem auch die ostdeutschen Stars Karat und Ute Freudenberg auftreten sollen.

Auch in anderen Ländern wird der Mauerfall gefeiert. So ist etwa in Paris auf dem Place de la Concorde ein musikalisches Schauspiel geplant, das den Weg von der Teilung Deutschlands und Europas über den Mauerfall bis zur Wiedervereinigung und zur heutigen Europäischen Union nachzeichnet.

http://www.mauerfall09.de/

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