Kleve (AP) Zum Auftakt des Prozesses um den «Ehrenmord» an der 20-jährigen Gülsüm S. aus Rees am Niederrhein hat der angeklagte Vater die Tat bestritten. Die beiden Mitangeklagten, ein Bruder des Opfers und ein Bekannter von diesem, wollten sich am Freitag vor dem Landgericht Kleve zu den Tatvorwürfen nicht äußern. Bei einer früheren polizeilichen Vernehmung hatte der 20-jährige Drillingsbruder der Frau das Verbrechen allerdings noch eingeräumt. Diesen Artikel weiter lesen
Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord. Der Staatsanwaltschaft zufolge musste die junge Frau aus Wut und Verärgerung der kurdischen Familie über ihren westlichen Lebensstil sterben. Die 20-Jährige habe sich den strengen Regeln ihres Vaters nicht unterwerfen wollen, hieß es in der Anklage. Das Opfer war nach einer Zwangsverheiratung in der Türkei im vergangenen Jahr nach Deutschland zurückgekehrt und führte hier eine Beziehung mit einem anderen Mann. Als herauskam, dass die junge Frau Anfang 2009 heimlich eine Abtreibung in den Niederlanden hatte vornehmen lassen, beschlossen der angeklagte Bruder und der Vater laut Staatsanwaltschaft, sie zu ermorden.
Zwtl.: Unter Vorwand ins Auto gelockt
Den Ermittlungen zufolge lockte der Vater am Abend des 2. März eine andere Tochter - die Drillingsschwester der Getöteten - aus der Wohnung, die sich die beiden jungen Frauen teilten. Unter dem Vorwand, er habe ihr verschwundenes Fahrrad gefunden, fuhr der Bruder schließlich mit der 20-Jährigen zu einem abgelegenen Feldweg. Unterwegs stieg laut Anklage auch der 32-jährige Bekannte des Bruders ein, der von den Mord-Plänen gewusst haben soll.
Als die 20-Jährige an dem Feldweg mit einer Taschenlampe nach dem Fahrrad suchte, überwältigte ihr Bruder sie laut Staatsanwaltschaft von hinten und würgte sie mit einem Seil bis zur Bewusstlosigkeit. Anschließend sollen er und der ebenfalls angeklagte Bekannte mit Knüppel und Ästen auf den Schädel des Opfers eingeschlagen und ihr Gesicht dabei bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert haben. Die 20-Jährige starb an ihren massiven Verletzungen.
Spaziergänger entdeckten Leiche
Spaziergänger hatten die entstellte und mit Laub bedeckte Leiche der Frau einen Tag nach der Tag entdeckt und die Polizei alarmiert. Spuren am Tatort lenkten den Verdacht schnell auf die Familie der Getöteten. Der 49-jährige Vater lebt seit 15 Jahren in Deutschland und hat aus zwei Ehen insgesamt elf Kinder. Sie seien alle nach den traditionellen Regeln der Kurden und des Korans erzogen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Weil die 20-jährige Tochter rebellierte, sei es bereits häufiger zu Streitigkeiten mit dem Vater gekommen.
Der Prozess soll am nächsten Dienstag fortgesetzt werden. Insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird nicht vor Mitte Dezember erwartet.
© 2009 The Associated Press. Alle Rechte Vorbehalten - All Rights Reserved




Flusspferde töten Krokodil