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Ansturm auf knappen Schweinegrippe-Impfstoff

Frankfurt/Main (AP) Run auf knappen Impfstoff: Rund zwei Wochen nach Beginn der bundesweiten Impfaktion gegen die Schweinegrippe ist die anfängliche Skepsis verschwunden. Dafür gibt es nun teilweise wegen Lieferengpässen und hoher Nachfrage nicht genug Impfstoff. Mancherorts müssen sich Impfwillige auf mehrwöchige Wartezeiten einstellen, wie eine AP-Umfrage ergab. Nach Ansicht von Experten ist die Impfung gegen das H1N1-Virus dringender als die Immunisierung gegen die saisonale Grippe. Diesen Artikel weiter lesen

Laut rheinland-pfälzischem Gesundheitsministerium wurde in den zwei Wochen seit Start der Impfungen in allen Bundesländern weniger Impfstoff ausgeliefert als geplant. Grund sind den Angaben zufolge produktionsbedingte Lieferengpässe beim Hersteller. Dadurch wird stellenweise bereits der Impfstoff knapp. Das baden-württembergische Sozialministerium spricht von «Mangelverwaltung, weil wir zu wenig Impfstoff haben». In verschiedenen Bundesländern klagen Ärzte, dass sie nicht soviel Impfstoff haben wie sie brauchen. Teilweise werden Wartelisten geführt, die Wartezeiten können dabei mehrere Wochen betragen.

Ursache für die Lieferengpässe sei laut Angabe des Impstoffwerkes in Dresden, «dass sich das Saatvirus nicht so schnell vermehrt, wie zunächst angenommen», sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Schleswig-Holstein, Oliver Breuer. Laut dem Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, Frank Jaschkowski, führten Qualitätsproblemen dazu, dass einige Chargen nicht ausgeliefert wurden. «Die Qualitätsanforderungen beim Impfstoff sind extrem hoch, da wird nur freigegeben, was absolut einwandfrei ist», sagte Jaschkowski.

Quer durch die Republik verzeichnen Gesundheitsbehörden und Impfstellen einen teilweise sprunghaft gestiegenen Ansturm Impfwilliger. So sagte etwa der Düsseldorfer Stadtsprecher Michael Bergmann, während vergangene Woche 2.000 Menschen geimpft worden seien, seien es bis Donnerstag dieser Woche bereits 5.000 gewesen. Vor allem Kinderärzte berichten von großem Andrang.

Bedeutendes Gefahrenpotenzial des H1N1-Virus

Nach Ansicht von Experten ist die Impfung gegen die Schweinegrippe derzeit wichtiger als die Immunisierung gegen die saisonale Grippe. «Der Erreger der Neuen Influenza ist hoch infektiös - teilweise muss davon ausgegangen werden, dass er sogar doppelt so ansteckend ist wie der Erreger der saisonalen Grippe», sagte der Lungenfacharzt Tom Schaberg der AP. Die Impfung gegen das neue Grippevirus sei auch deshalb dringender, da der Höhepunkt der saisonalen Grippe meist erst im Januar oder Februar beginne.

Bisher wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Deutschland nur sehr vereinzelt andere Grippeviren nachgewiesen, während bereits eine zweite Welle an Schweinegrippe-Infektionen mit Schwerpunkten in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern über das Land rollt.

Vom H1N1-Virus gehe ein bedeutendes Gefahrenpotenzial aus, sagte Schaberg. Es könne sehr viel tiefer in die Atemwege eindringen, bis in die Lungenbläschen hinein, was ihm das Potenzial für besonders schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen verleihe. Außerdem handele es sich um einen neuen Virusstamm, der in seiner Zusammensetzung dem Abwehrsystem der meisten Menschen weltweit völlig unbekannt sei. Die Impfung sei insbesondere für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis etwa 55 Jahre sinnvoll, um eine breitere Grundimmunität in der Bevölkerung zu erzeugen.

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