Baden-Baden (AP) Der neue Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, hat für ein neues Klimaschutzabkommen auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen geworben. Es müsse ein «richtiges» Klimaschutzziel unter Einbeziehung von Industrie- und Entwicklungsländern vereinbart werden, sagte er im SWR-Interview der Woche, wie der Sender am Freitag mitteilte. Diesen Artikel weiter lesen
Ohne ambitionierte Klimaschutzziele sei in Europa kein vernünftiger Emissionshandel hinzubekommen: «Das ist etwas, das traue ich politischem Spitzenpersonal, zu dem Norbert Röttgen gehört, absolut zu. Und ich bin sicher, dass das überhaupt keine Hürde sein wird», wurde Flasbarth weiter zitiert. Der CDU-Politiker Röttgen müsse keine wirklichen Feinheiten kennen, er müsse das Prinzip verstanden haben. «Die Reduktion von Treibhausgasen muss und soll kein Weg in die Vergangenheit sein, sondern einer in die Zukunft.»
Koalitionsvertrag als gute Ausgangslage für Umweltschutz
Flasbarth verwies auf den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP. Die Zielperspektive einer Reduktion der Treibhausgase um 80 Prozent bis 2050 sei noch wichtiger und begrüßenswerter als die Maßgabe, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent zu senken: «Bis Mitte des Jahrhunderts müssen wir Kohlenstoff-Treibhausgase weitgehend aus unseren Wirtschafts- und Lebensprozessen eliminiert haben», sagte der UBA-Präsident den Angaben zufolge und fügte hinzu: «Und ich finde, das ist eine sehr gute Ausgangslage für diese Legislaturperiode, auch ein großes Pfand für den neuen Umweltminister. Denn er wird sich natürlich auch, wie jeder Umweltminister in einer Regierung, mit anderen Ressorts auseinandersetzen müssen».
Für die Zukunft sieht Flasbarth eine Energieversorgung auf der Basis der erneuerbaren Energien oder einen Gebäudebestand, der Energie liefert und im Prinzip keine Heizung mehr braucht: «Das alles ist überhaupt keine Hexerei mehr, das geht», meinte er.
Nennt Prüfung einer lokalen Pkw-Maut sinnvoll
Gerade im Verkehrsbereich sieht Flasbarth noch viel zu tun. «Wir brauchen eine deutliche Stärkung der Schienen-Infrastruktur», sagte er. Die Treibhausgaseinsparung aus dem Verkehrssektor komme nicht so voran, wie sie müsste. Auch die Prüfung einer Pkw-Maut hält Flasbarth für sinnvoll, allerdings nicht flächendeckend. «Aber eine Prüfung für Innenstädte, das Instrument hat sich in anderen Ländern bewährt, ist jedenfalls etwas, was wir nicht ausschließen sollten.» Dezidiert empfiehlt Flasbarth, die Lkw-Maut über das Autobahnnetz hinaus auszudehnen.
Seit 1. September ist Flasbarth Präsident des Umweltbundesamtes. Von 1992 bis 2003 war er Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) gewesen und seitdem Abteilungsleiter Naturschutz und Nachhaltige Naturnutzung im Bundesumweltministerium.
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