Suche

Hoffnung auf «moralisch verpflichtende» Klimaziele in Kopenhagen

Barcelona (AP) Ein rechtlich verbindliches Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll wird es beim Weltklimagipfel in Kopenhagen wohl kaum noch geben. Zum Abschluss der Vorbereitungskonferenz in Barcelona bemühten sich die Delegierten am Freitag nur noch um eine politische Vereinbarung zu künftigen Emissionszielen. Dies würde bedeuten, dass verbindliche Entscheidungen erst zu einem späteren Zeitpunkt getroffen würden. Eine Gruppe von 43 Inselstaaten, die die Folgen des Klimawandels am meisten fürchten, zeigte sich darüber empört. Diesen Artikel weiter lesen

Der UN-Klimaschutzbeauftragte Ivo de Boer erklärte, jede Vereinbarung in Kopenhagen werde «moralisch verpflichtend» sein. Entscheidend sei, dass Beschlüsse schnell umgesetzt würden, um Treibhausgasemissionen zu senken und den Entwicklungsländern beim Klimaschutz zu helfen. De Boer räumte allerdings ein, dass in diesen beiden Schlüsselbereichen bislang kaum Fortschritte erzielt worden seien. «Kopenhagen kann und muss der Wendepunkt im internationalen Kampf gegen den Klimawandel sein», appellierte er an alle Beteiligten. Noch sei es nicht zu spät für eine Einigung.

Mehrere Industrieländer, darunter vor allem die USA, hatten zuvor durchblicken lassen, dass es ihrer Ansicht nach noch zu früh sei für die Unterzeichnung eines rechtskräftigen Vertrags. Sie wollten sich vorerst noch nicht auf eindeutige Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgase festlegen. Die Inselstaaten übten daran scharfe Kritik. «Es gibt absolut keine technischen Hindernisse für eine Einigung, was aber fehlt, ist der politische Wille», kritisierte Dessima Williams aus Grenada. «Schwache politische Lösungen sind keine Lösung.»

Afrikaner sehen Scheitern des Gipfels

Der indische Delegationsleiter Shyam Saran betonte, dass auch ein politischer Konsensus für die 192 UN-Mitgliedstaaten bindend wäre. Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass die Industrieländer in Kopenhagen doch noch akzeptable Ziele für niedrigere Emissionen unterbreiteten. «Wenn wir dies nicht mehr für möglich hielten, würden wir jetzt gleich abreisen», sagte Saran. Von Seiten der afrikanischen Staaten verlautete indes, man werde einem verwässerten Abkommen nicht zustimmen und den Gipfel vom 7. bis 18. Dezember lieber scheitern lassen.

Als wahrscheinlichste Lösung galt indes eine Serie von Konsensus-Entscheidungen, in denen sich alle Länder der Welt zum entschlossenen Kampf gegen den Klimawandel verpflichten. Dem müssten dann politische Maßnahmen folgen. Auch eine solche Interimsvereinbarung könnte aber den Entwicklungsländern bereits die nötigen Finanzmittel für den Klimaschutz bereitstellen. Nach Schätzungen der EU müssten dafür in den kommenden drei Jahren fünf bis sieben Milliarden Euro eingeplant werden.

© 2009 The Associated Press. Alle Rechte Vorbehalten - All Rights Reserved

Copyright ©2009 Yahoo!, Alle Rechte vorbehalten.

Hinweis: Auf dieser Seite sammeln wir persönliche Informationen. Für weitere Details lesen Sie bitte unsere Hinweise zum Datenschutz: Datenschutzrichtlinien