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«Wir können uns nicht retten vor Impfwilligen»

Düsseldorf (AP) Bei den Beratungstelefonen der Gesundheitsämter in Berlin laufen die Drähte heiß, vor der Zentralen Impfstelle in Düsseldorf reicht die Warteschlange bis auf den Vorplatz, in Schwerin geht vorübergehend der Impfstoff aus: Am Ende der zweiten Schweinegrippe-Impfwoche ist von Skepsis nichts mehr zu spüren. Die zahlreichen Appelle und offenbar auch die neuen Todesopfer treiben die Menschen inzwischen in die Arztpraxen. Doch da gleichzeitig weniger Impfstoff ausgeliefert wurde als geplant, können die Wünsche nach Schutz vor der Krankheit teilweise nicht erfüllt werden. Diesen Artikel weiter lesen

«Wir können uns nicht retten vor Impfwilligen», sagt der Düsseldorfer Stadtsprecher Michael Bergmann. Während vergangene Woche 2.000 Menschen geimpft worden seien, seien es bis Donnerstag dieser Woche bereits 5.000 gewesen. Bis zu zwei Stunden Wartezeit nähmen die Menschen in Kauf: «Die Leute stehen teilweise bis auf den Vorplatz.» Aus Köln, Duisburg, Krefeld und anderen umliegenden Städten und Gemeinden reisten Impfwillige an. Selbst ein 95-Jähriger aus Neuwied habe in der Schlange gestanden. «Die Menschen stehen lieber zwei Stunden bei uns in der Schlange, als bis zu einem Termin Anfang Dezember bei ihrem Arzt zu warten», sagt Bergmann.

Auch der Leiter des Essener Gesundheitsamts, Rainer Kundt, berichtet, die Nachfrage sei inzwischen «wahnsinnig hoch», nachdem die erste Impfwoche noch ruhig gewesen sei. Über 1.000 Anfragen registriere sein Amt täglich. «Vier Leitungen haben wir bei uns, die Telefone klingeln ununterbrochen», sagt Kundt. In Bonn müssen sich Impfwillige auf teilweise mehrwöchige Wartezeiten einstellen. Es gebe genügend niedergelassene Ärzte, die Impfungen vornähmen, aber nicht ausreichend Impfdosen, sagt Stadtsprecherin Elke Palm. Nur für die Hälfte der 12.000 vorgemerkten Impfwilligen stünden in der nächsten Woche Impfdosen zur Verfügung.

Großer Andrang bei Kinderärzten

Auch in Schleswig-Holstein beklagen sich bereits Ärzte, dass sie nicht soviel Impfstoff bekommen, wie sie brauchen, wie Ministeriumssprecher Oliver Breuer einräumt. Ursache sei nach Angaben des Impfstoffwerkes in Dresden, «dass sich das Saatvirus nicht so schnell vermehrt, wie zunächst angenommen».

Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, berichtet von Qualitätsproblemen, die dazu geführt hätten, dass einige Chargen nicht ausgeliefert worden seien. «Die Qualitätsanforderungen beim Impfstoff sind extrem hoch, da wird nur freigegeben, was absolut einwandfrei ist», sagt Jaschkowski.

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums haben seit dem Start der Impfung vor knapp zwei Wochen alle Bundesländer weniger Impfstoff geliefert bekommen als ursprünglich vorgesehen. Das baden-württembergische Sozialministerium spricht von «Mangelverwaltung, weil wir zu wenig Impfstoff haben». Auch in Sachsen-Anhalt gibt es landesweit Wartelisten.

Jaschkowski geht davon aus, dass der Norden noch mindestens zwei bis drei Wochen nur kontingentierte Mengen bekommt, die die Nachfrage der Arztpraxen nicht decken könne. «Zumal derzeit auch vermehrt Kinderärzte dazu übergehen, ihre kleinen Patienten zu impfen und auch Betriebsärzte einen höheren Bedarf anmelden.» Auch andere Länder melden großen Andrang bei Kinderärzten.

In Mecklenburg-Vorpommern, das neben Bayern nach Angaben des Robert Koch Instituts derzeit besonders stark von der Schweinegrippe betroffen ist, gab es im Lauf der Woche einen wahren Ansturm auf die Impfstellen. In der Landeshauptstadt Schwerin und in Greifswald ging vorübergehend sogar der Impfstoff aus, weil die Nachfrage alle Erwartungen übertraf. In Schwerin wurde eine zeitweilige Impfstelle im Stadthaus eingerichtet. Die ursprünglich zwei Impfräume sind inzwischen auf drei erweitert worden, da täglich bis zu 700 Impfpatienten kommen, das Impfteam wird von Ärzten im Ruhestand unterstützt. Auch die Wartezone musste wegen des Ansturms bereits vergrößert werden.

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