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Merkel: Ost-West-Lebensverhältnisse weitgehend angeglichen

Berlin (AP) 20 Jahre nach dem Mauerfall sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel große Fortschritte bei der Annäherung von Ost und West. «In vielen Bereichen haben sich die Lebensverhältnisse bereits weitgehend angeglichen», sagte Merkel am Freitag. Die friedliche Revolution von 1989 soll am kommenden Montag in Berlin groß gefeiert werden. Auf allen Dienstgebäuden des Bundes und der Länder sollen dafür Flaggen wehen. Altkanzler Helmut Kohl wird an den Feierlichkeiten mit Staatsgästen aus aller Welt nicht teilnehmen. Diesen Artikel weiter lesen

Als Beispiel für die Angleichung von Ost und West nannte Merkel in der «Leipziger Volkszeitung» die fast gleich hohe Lebenserwartung. Die CDU-Chefin wies darauf hin, dass das Grundgesetz von gleichwertigen Lebensverhältnissen spreche. «Auch in Westdeutschland hat es immer Unterschiede zwischen einzelnen Regionen gegeben.» Und trotzdem seien die Lebensverhältnisse der Menschen im Emsland genau so viel wert wie im Alpenvorland. Richtig sei, «dass wir weiter daran arbeiten müssen, die teilungsbedingten Strukturschwächen der neuen Länder zu überwinden». Deshalb sei auch der Solidarpakt bis 2019 so wichtig.

Der Linksfraktionsabgeordnete Roland Claus warf Merkel in der «Leipziger Volkszeitung» «Ostblindheit» vor. Sie unterschlage die bestehenden Ungleichheiten im Lohn, der Rente und der Arbeitslosigkeit.

Schmidt lobt Kohl

Altkanzler Helmut Schmidt hält die innere Einheit Deutschlands ebenfalls nicht für vollendet. Der «Bild»-Zeitung sagte Schmidt: «Der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen.» Der SPD-Politiker hob die Leistung Kohls als Kanzler der Einheit hervor. Er habe die Sache «glänzend angepackt».

Kohls Büro teilte unterdessen mit, der Altkanzler bleibe bei seiner frühzeitig getroffenen Entscheidung, an den Feierlichkeiten nicht teilzunehmen. Der 79-jährige ist seit einem schweren Sturz vor einem Jahr an den Rollstuhl gefesselt und kann nur noch schwerfällig reden. Kohl war am 1. November bei der ersten großen Gedenkfeier zusammen mit dem früheren US-Präsidenten George Bush senior und dem ehemaligen Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow öffentlich aufgetreten.

Merkel wird am Montag die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sowie den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und die US-Außenministerin Hillary Clinton am Brandenburger Tor zu einem zentralen Festakt empfangen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière entschied, die Dienstgebäude des Bundes am 9. November zu beflaggen und bat auch die Länder, sich anzuschließen, wie sein Ministerium mitteilte.

Merkel hat Maueröffnung fast verschwitzt

Die damals 35-jährige Wissenschaftlerin Merkel hätte die Maueröffnung nach eigenem Bekunden 1989 fast verschwitzt. In einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Rundschau» schrieb sie, dass sie mit einer so schnellen Öffnung der Grenze nicht gerechnet habe. «Also ging ich wie jeden Donnerstagabend in die Sauna. Als ich zurückkam, hörte ich, der Grenzübergang Bornholmer Straße sei offen. Ich bin sofort hingelaufen und habe wie tausend andere Menschen den Grenzübergang nach Westen überquert.» In einer wildfremden Westberliner Wohnung habe sie mit einer Dose Bier auf den Mauerfall angestoßen. «Ich empfand wie alle anderen eine unglaubliche Freude.»

Die Situation in der DDR im Herbst 1989 hätte nach Aussage Gorbatschows bis zum Atomkrieg eskalieren können. «Wenn wir besorgt gewesen wären, dann hätten wir die Soldaten nicht abgezogen. Wir hatten ja auch Panzer. Wenn wir die reingeschickt hätten, dann wäre es so geworden. Das hätte sogar bis zum Atomkrieg führen können. Und das wäre eine fürchterliche Variante gewesen», sagte er im ZDF-Mittagsmagazin.

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