München (AP) Völlig überraschend hat der des Kindesmissbrauchs angeklagte Esoterik-Musiker Oliver Shanti ein Teilgeständnis abgelegt. Er räumte am Donnerstag in einer von seinen Anwälten vor Gericht abgegebenen Erklärung Übergriffe auf vier Jungen ein, wie Staatsanwaltschaft und Verteidigung mitteilten. Den Vorwurf, sich auch an zwei Mädchen vergangen zu haben, weist Shanti dagegen weiter zurück. Er sei homosexuell und interessiere sich nicht für Mädchen oder Frauen. Diesen Artikel weiter lesen
Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht München I im August hatte der 60-Jährige sich noch als Opfer eines Komplotts seiner Geschäftspartner dargestellt und die ihm vorgeworfenen Handlungen als «horrende Schweinereien» bezeichnet. Die Komplottthese gab er am Donnerstag auf. Laut Shantis Anwalt Thomas Novak drückte der Angeklagte in der Erklärung tiefe Scham und Bedauern aus. Was er getan habe, tue ihm leid.
Die Anklage wirft Shanti insgesamt 314 Fälle des Missbrauchs vor. Mit seinem Teilgeständnis hat er nun 112 Fälle eingeräumt. Teilweise waren seine Opfer erst acht Jahre alt.
Opfer lebten mit Shanti auf Finca
Die betroffenen Kinder und ihre Eltern hatten laut Anklage mit Shanti auf dessen großzügiger Finca in Portugal zusammengelebt oder ihn dort in den Ferien besucht. Shanti soll als eine Art geistiger Führer oder heiliger Mann betrachtet worden sein. Teilweise soll er die Übergriffe auf die Kinder auch als spirituelle Übungen erklärt haben.
Vor seinem Teilgeständnis hatte es Absprachen gegeben, wonach die Strafe im Falle eines vollständigen Geständnisses nicht über sieben Jahre hinausgehen soll. Dies sei aber hinfällig, da Shanti nur einen Teil der Vorwürfe eingeräumt habe, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Barbara Stockinger. Das Urteil könnte nun bereits am 4. Dezember fallen. Für diesen Tag sind auch die Plädoyers geplant.
Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Shanti vergangene Woche einen Selbstmordversuch im Gefängnis unternommen hatte. Er schluckte Tabletten und wurde in einem lebensgefährlichen Zustand ins Krankenhaus gebracht.
Shanti, dessen Pseudonym übersetzt in etwa «Friede» bedeutet, produzierte unter dem Label «Sattava Music» zeitweise erfolgreich Meditationsmusik. Nach eigenen Angaben verdiente er damit zwölf Millionen Euro, mit denen er unter anderem zwölf Häuser in Portugal kaufte. Er war jahrelang von Zielfahndern gesucht worden, bevor er im Juli 2008 in Lissabon verhaftet wurde.
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