Frankfurt/Main (AP) Er war fünfmal verheiratet, hatte massive Drogenprobleme, litt zeitweise unter Verfolgungswahn und Visionen: Das kurze Leben des Philip Kindred Dick gäbe Stoff für eine ganze Reihe mehr oder weniger realistischer Romane. Als der amerikanische Autor, der unter Science-Fiction-Fans Kultstatus genießt, 1982 mit 53 Jahren starb, hinterließ er 45 Romane und über 120 Kurzgeschichten, die meisten davon lassen sich dem Genre «fantastische Literatur» zurechnen. Diesen Artikel weiter lesen
Lange Zeit war Dick nur Science-Fiction-Kennern ein Begriff, spätestens seit der Verfilmung einer Reihe seiner Romane wie zum Beispiel «Blade Runner» oder «Minority Report» gilt er als einer der einflussreichsten amerikanischen Autoren.
Dem Verlag Liebeskind ist es zu verdanken, dass man diesen Ausnahmeschriftsteller nun von einer ganz anderen Seite kennen lernen kann: «Unterwegs in einem kleinen Land», 1985 erstmals in Amerika erschienen, ist einer der Romane von Dick, die nichts Überirdisches zum Sujet haben. In der Geschichte um eine scheiternde Ehe im Amerika der frühen 50er Jahre offenbart sich Dicks poetische Brillanz ebenso wie sein psychologisches Feingefühl und die großartige Fähigkeit, eine schlüssige Story zu entwerfen.
Einige Jahre Ehe haben Virginia und Robert schon mehr schlecht als recht hinter sich gebracht. Die große Liebe war es nie, beide hatten ihre Gründe, sich auf eine Beziehung einzulassen, Robert wollte seiner ersten Ehe entkommen, Virginia ihrem eintönigen Leben entfliehen.
Nun hat Robert ein Geschäft für Fernsehreparaturen, Virginia kümmert sich um den siebenjährigen Sohn und nimmt Kurse in therapeutischem Tanzen. Um ihn aus der Schusslinie der Ehequerelen zu bringen, meldet Virginia Sohn Gregg in einem Internat an und läutet damit die Schlussphase der kaputten Beziehung ein. Denn aus der Fahrgemeinschaft mit einem anderen Ehepaar, deren Söhne ebenfalls Internatsschüler sind, ergibt sich eine verhängnisvolle Verbindung. Virginia leiert mit Chic Geschäfte an, Robert verfällt der naiv-lasziven Liz. Als Virginia hinter das Verhältnis kommt, verwandelt sie sich von der abhängigen Ehegattin in eine mächtige Rachegöttin.
Wie einer des anderen Hölle wird, wie ausweglos die Lage ist, in die sich zwei Menschen unter dem traurigen Deckmantel einer Ehe bringen können, das beschreibt Dick intensiv und aufwühlend, ohne dabei zu drastischen erzählerischen Mitteln zu greifen. Denn zu offensichtlich ist die Erkenntnis: Die Realität ist oftmals schrecklicher als jede Fiktion. (Anke Breitmaier)
(Liebeskind, August 2009, ISBN 978-3-935-890-63-2, 400 Seiten, 22 Euro)
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