Suche

Krank zur Arbeit - oder kein Geld

Chicago (AP) Die Rechnung ist für viele Amerikaner einfach: Wer nicht zur Arbeit kommt, kriegt kein Geld. Trotz Fieber, Husten und laufender Nase schleppen sich daher zahllose Arbeiter und Angestellte ins Büro oder in den Handwerksbetrieb - ungeachtet der Aufforderung von Gesundheitsbehörden, mit Grippe für einige Tage das Bett zu hüten. Die Angst vor der Schweinegrippe macht ihnen die Entscheidung nicht leichter. Denn rund ein Drittel aller Arbeitnehmer in den USA bekommt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Diesen Artikel weiter lesen

Sie habe Angst, das Gehalt für eine ganze Woche zu verlieren, sagt die 28-jährige Kara Knoche. Die Kellnerin aus Atlanta schluckt vorsorglich Vitamin C und geht Freunden, die Schnupfen haben, rigoros aus dem Weg. Sie müsse Geld sparen, und «man muss schließlich essen», sagt Knoche.

Selbst viele, die sich das Auskurieren zu Hause leisten könnten, erscheinen im Büro - weil sie den Zorn des Chefs fürchten, wenn sie ausfallen. Etliche Arbeitgeber tüfteln zurzeit Pläne aus, um erkrankte und fehlende Kollegen zu ersetzen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC gibt ebenfalls Tipps und rät unter anderem, den Abstand zwischen Bürotischen zu vergrößern und Dienstreisen einzuschränken.

«Ich kann irgendwie von zu Hause aus arbeiten»

Noch größer sind die Sorgen bei Arbeitnehmern mit Kindern. Stecken sich Sohn oder Tochter bei ihnen an, müssen sie nach der eigenen Grippe auch noch zur Betreuung zu Hause bleiben. Kevin Huigens kennt die Erfahrung, dass eine Krankmeldung automatisch weniger oder im schlimmsten Fall gar kein Gehalt bedeutet. Der 52-jährige Vertragstechniker beißt deshalb die Zähne zusammen. «Wenn es mir gut genug geht, um mit einem Laptop im Bett zu sitzen, kann ich immer noch arbeiten», sagt er. «Ich kann irgendwie von zu Hause aus arbeiten. Vielleicht nicht volle acht Stunden, aber ein paar Stunden am Tag sind drin.»

Manche schaffen mit Kopf- und Gliederschmerzen nicht einmal das. Die Maklerin Jen Sanders lag im vergangenen Jahr fünf Tage im Bett und bemühte sich, ihre Arbeit an Kollegen zu verteilen. «Es ist schrecklich, wenn man sich so mies fühlt und dabei merkt, dass man gleichzeitig Geld verliert», sagt die 35-Jährige. Den Winter und damit die Grippesaison über will sie daher konsequent ihre Handschuhe anbehalten, wenn sie Leuten die Hände schüttelt. «Ich versuche zu tun was ich kann, ohne dass sich andere unbehaglich fühlen.»

© 2009 The Associated Press. Alle Rechte Vorbehalten - All Rights Reserved

Copyright ©2009 Yahoo!, Alle Rechte vorbehalten.

Hinweis: Auf dieser Seite sammeln wir persönliche Informationen. Für weitere Details lesen Sie bitte unsere Hinweise zum Datenschutz: Datenschutzrichtlinien