Beirut/Hamburg (AP) Der umfangreiche Kriegswaffen-Fund auf einem Schiff vor der israelischen Küste hat für den deutschen Reeder kein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Stade teilte am Donnerstag mit, da der Frachter «Francop» nicht unter deutscher Flagge fahre, gelte an Bord auch nicht das deutsche Strafrecht. Außerdem sei das Schiff schon lange vermietet. Das Schiff gehört der Reederei Bartels vor den Toren Hamburgs. Israelische Soldaten hatten das Schiff aufgebracht und die Waffen beschlagnahmt. Diesen Artikel weiter lesen
Die schiitischen Hisbollah-Milizen im Libanon wiesen jede Verbindung zu der riesigen Waffenfracht zurück. Es gebe keinerlei Zusammenhang zwischen der Organisation und dem Schiff und seiner Ladung, teilte die Hisbollah in einem Fax an die Nachrichtenagentur AP mit. Das Handeln Israels komme «Piraterie» gleich.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte dagegen die Untersuchung des Waffenfundes durch die UN. Er erklärte, Iran stecke hinter der Lieferung an die Hisbollah.
Der deutsche Frachter «Francop» hat nach Angaben der Hamburger Reederei Bartels am Mittwochabend den israelischen Hafen Aschdod in Richtung Limassol verlassen. Weitere Angaben über die Crew oder neue Entwicklungen in dem Fall wollte das Unternehmen auf Anfrage nicht machen.
Das Schiff war verchartert. Bei einem Zeitchartervertrag stellt die Reederei dem Charterer das Schiff mit seiner Ladekapazität zur Verfügung. Dieser nehme dann alle mit der Buchung der Ladung zusammenhängenden Aufgaben in eigener Verantwortung wahr, erläuterte die Reederei in ihrer Mitteilung.
Ein Drittel aller Containerschiffe bei deutschen Eignern
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) bestätigte, dass die Crew «keine Chance» gehabt habe, in die Container hineinzusehen. Dies sagte Verbandssprecher Max Johns der AP. Die Behälter seien üblicherweise verplombt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher Fall gerade auf einem deutschen Schiff ereignet, ist Johns zufolge allein aus statistischen Gründen relativ hoch: «Ein Drittel aller Containerschiffe weltweit gehören deutschen Reedereien», erklärte der VDR-Sprecher. Die Eigentümer könnten wie auch der Vermieter einer Wohnung «weder praktisch noch technisch wissen», was der Mieter mit dem Objekt mache.
Auf dem Schiff waren laut dem stellvertretenden israelischen Marinekommandeur Konteradmiral Roni Ben-Jehuda «hunderte Tonnen» Waffen versteckt. Die Ladung soll den israelischen Angaben zufolge aus dem Iran stammen und für die Hisbollah im Libanon bestimmt gewesen sein. Die «Francop» wurde zunächst in den israelischen Hafen Aschdod gebracht, wo einige Container entladen wurden.
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