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Rock & Pop CD-Corner

Frankfurt/Main (AP) In der CD-Corner werden die aktuellen Alben von Norah Jones, Jason Mraz, Mob Rules, Reverend Horton Heat und Dayna Kurtz vorgestellt. Diesen Artikel weiter lesen

--- «The Fall« - Norah Jones (EMI)

Norah Jones will von Männern nichts mehr wissen. Ein in der Nähe erträgliches männliches Wesen könnte allenfalls ein Hund sein - der redet und ergo lügt nicht, dem kann sie Frühstück, Mittag- und Abendessen hinstellen, zu seinem Vergügen im Park ausführen und damit ist er zufrieden. Das Cover legt nahe, dass ein Bernhardiner «Man of the Hour«, Mann der Stunde ist. Tja, Sweetheart Norah kann auch richtig böse sein. Nach drei erfolgreichen Alben mit einer kunstvoll verspielten Mischung aus Country, Folk und Jazz hat die nunmehr 30-Jährige einen Neuanfang gewagt. Gegangen sind nicht nur Exfreund und Bassist Lee Alexander, sondern auch die gesamte New Yorker Feingeist-Band. Ihre Musik lässt sich noch immer nicht in eine der üblichen Schubladen stecken: Der Bass grooved zwischen Slow Rock und Pop, die Lieder bleiben in im Vergleich zu den vorigen Werken einfachen Akkordstrukturen, Improvisationen zum Meisterklassenachweis an den einzelnen Instrumenten gibt es nicht mehr. Das Klavier, ihr Paradeinstrument, hat die Jones fast ganz anderen überlassen, und auf der nun bevorzugten Gitarre belässt sie es beim Nötigsten. In ihren Liedern sagt sie mit ihrer schönen Stimme ohne hörbaren Zorn alles - offen und nicht verklausuliert - über eine Liebe, die scheitert, und den Schmerz, den das verursacht («You've Ruined Me«). Das Cover mit ihr als Braut im weißen Kleid und Zylinder mit dem zu ihren Füßen liegenden Bernhardiner: Die volle Ironie erschließt sich nach dem letzten Lied, dem «Man of the Hour«. Aber vielleicht muss man den Clou verraten, weil doch so mancher Norah Jones für eine Chanteuse für unverbindliche Cocktail-Party-Musik hält. Das war sie nie, und mit «The Fall« ist sie sowieso unterwegs zu neuen Ufern. (Uwe Käding)

--- «Beautiful Mess« - Jason Mraz (Warner)

Der Singer-Songwriter mit dem goldenen Humor hat seine überzeugenden Live-Shows nun auf Tonträger dokumentiert: «Jason Mraz's Beautiful Mess - Live On Earth« nutzt mit knapp 79 Minuten fast die volle CD-Kapazität aus. Bläser unterstreichen den Latin-Groove, zur Gitarre singt Mraz süßen Singer-Songwriter-Folk ebenso, macht sich und Publikum bei Reggae locker und ist nicht nur «Lucky«, wenn Colbie Caillat mit ihm diesen Hit singt. «Anything You Want« einschließlich viel guter Laune ist auf dem 16 Lieder umfassenden Silberling, der zeigt, dass Mraz nicht nur ein Händchen für griffige Songs - ja, hier ist «I'm Yours« zu erwähnen - hat, sondern auch ein begnadeter Entertainer ist. «The Boy's Gone« beendet ein Live-Album, das eine sinnvolle Ergänzung zur Studioarbeit des Sängers und Gitarristen ist. (Uwe Käding)

--- «Radical Peace« - Mob Rules (AFM Records)

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums «Savage Land« warten die deutschen Power-Melodic-Rocker Mob Rules mit ihrem sechsten Studioalbum auf. «Radical Peace« ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens hätte bei der Bandgründung im Jugendzentrum der kleinen friesischen Gemeinde Sande wohl niemand geglaubt, dass Mob Rules die nächsten Jahre überhaupt überstehen und es zu internationalem Ansehen bringen würden. Zweitens handelt es sich schlichtweg um ein sehr gutes Album, mit dem die Band um Sänger Klaus Dirks und Gitarrist Matthias Mineur ihren Wurzeln treu bleibt und trotzdem einen Schritt nach vorne geht. Die Kompositionen der knapp 50 Minuten lange CD sind noch einmal ein ganzes Stück druckvoller als bei den Vorgängern und machen einen viel geschlosseneren Eindruck. Die Keyboardparts sind integraler Bestandteil der Musik und nicht mehr nur aufgesetztes Beiwerk. Mutig ist es, ein gut 18-minütiges Stück auf das Album zu setzen: «The Oswald Fire« thematisiert das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy. Der Verschwörungstheorien über dieses Unglück hätte es nicht wirklich noch einer weiteren Version bedurft, aber musikalisch ist das Stück ganz gut gelungen. Kleines Schmankerl am Rande: Mob Rules gehen demnächst mit Ronnie James Dio auf Tournee. Jenem Mann also, der einst mit Black Sabbath das Album «Mob Rules« einsang, welches wiederum der Band als Vorlage für die Namensgebung diente. (Stefan Lange)

Tourneedaten: 21.11. Hamburg (Ballroom), 27.11. Wilhelmshaven (Pumpwerk) sowie mit Ronnie James Dio jeweils am 16.12. Bremen (Aladin), 18.12. Nürnberg (Löwensaal) und 19.12. Reichenbach (H2O)

http://www.mobrules.de/

--- «Laughin' And Cryin' With The Reverend Horton Heat« Reverend Horton Heat

(Yep Rock/Cargo)

Der Reverend alias Jim Heath ist immer noch unverwüstlich unterwegs. Anfang der 90er hatte das Grunge-Label Sub Pop den Mann entdeckt, der 50er-Jahre-Rockabilly mit modernem Rock aufpeppte, ohne je die Wurzeln zu verleugnen. Nach nun beinahe zwanzig Jahren ist vom Crossover-Geist der damaligen Zeit kaum noch was zu spüren. Reverend Horton Heat machen beinahe unverfälschen Rockabilly, bei dem sie manchmal das Tempo arg anziehen und sich manchmal in eine Lounge-Crooner-Richtung schleppen. Auch wenn «Laughin' And Cryin' With The Reverend Horton Heat« stellenweise sehr nach Revival der 50er klingt, ist eine Platte herausgekommen, die mitreißt. Vom glühenden «Oh God! Does'nt Work in Vegas« bis zum leicht kitschig inszenierten «There's a Little Bit of Everything in Texas« gefallen Heath und seine Mannen mit ironischem, ruppigem Rockabilly. (Markus Schwarz)

--- «American Standard« - Dayna Kurtz (Munich Records/Indigo)

«American Standard« hat Dayna Kurtz ihr neues Album genannt und darauf dann auch traditionellen Rock, Folk, Jazz und Gospel gepackt. Aber mit wie viel Gefühl! Im Opener «Invocation« gibt sich die US-Songwriterin noch nachdenklich und zurückhaltend, doch schon im zweiten Titel «Good in '62« schwelgt Kurtz in Rockabilly, wie er in den 60er nicht anders geklungen hätte. «Billboard For Jesus« kommt dann als slidiger Swamp Rock daher, geprägt von Kurtz' Lap Steel und ihrer herben Whiskey-Stimme, die nach Billie Holiday und Norah Jones klingt. Später folgen schleppende, langsame Blues-Nummern oder auch ein ungemein kraftvoller a-capella-Gospel - Standard nur im Stil, nicht in der Umsetzung. Mehr als die Hälfte der Tracks schrieb sie selbst, andere sind eigenwillige Cover von Stücken, die beispielsweise von Elliot Smith oder den Replacements bekannt gemacht wurden. Bei zwei Titeln halfen Sun-Studio-Legende Sonny Burgess und seine Band, die Legendary Pacers. Alte Herren über 70, mit denen die Aufnahmen in den Ardent Studios in Memphis viel Spaß gemacht haben sollen. Und im von Kurtz geliebten New Orleans, das bereits in ihrem vorherigen Album vor mehr als drei Jahren eine wichtige Rolle spielte, nahm sie den zehnten und letzten Titel auf: «Election Day«. Dabei wird sie von der Brass Band Nightcrawlers unterstützt. Es ist mit Abstand das jazzigste und schrägste Stück des Albums und feiert den Ausgang der US-Präsidentenwahl im vergangenen Jahr. «Es ist schwierig nicht zu tanzen, wenn eine großartige Brass Band spielt«, zitiert das Label die Sängerin. Stimmt! (Nina Sündermann)

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