Ulm (AP) Im Prozess um den Vierfach-Mord von Eislingen hat der 19-jährige Frederik B. ein Geständnis abgelegt. Er habe alle 31 Schüsse abgegeben, gab der 19-Jährige am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Landgericht Ulm zu Protokoll, wie das Gericht am Abend mitteilte. Nach den Worten seines Anwalts Klaus Schulz sagte B. außerdem, er habe in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem zweiten Angeklagten, seinem Freund Andreas H., gestanden. Bei den vier Opfern handelte es sich um die Familie H.s. Diesen Artikel weiter lesen
Der Anwalt betonte, Frederik habe weder die Eltern noch die Schwestern von Andreas gehasst. Die Schüsse auf die vier Menschen habe er auf dessen Bitten hin abgegeben. B. und sein Schulfreund Andreas H. sollen H.s Eltern und seine beiden Schwestern in der Nacht zum Karfreitag dieses Jahres aus Habgier mit 30 Schüssen getötet haben. Beide besuchten das gleiche Wirtschaftsgymnasium.
Nach der Vernehmung zu seiner Person machte B. am Mittwoch zunächst Angaben zum Einbruch in ein Vereinsheim der Schützengilde Eislingen. Die Waffen seien bei dem Einbruch im Oktober 2008 unabhängig von dem späteren Mord gestohlen worden, sagte Anwalt Schulz. Daraufhin seien die Jugendlichen in einen Wald gegangen, um zu schießen.
Laut Anklage waren die beiden jungen Männer im Oktober in das Vereinsheim eingestiegen. Dort entwendeten sie 17 Waffen, darunter waren auch die beiden späteren Tatwaffen. Außerdem nahmen sie 1.700 Schuss Munition mit. Die wenigen zugelassenen Medienvertreter blieben am Mittwoch erneut vom Prozess ausgeschlossen. Die Eltern von Frederik B. nahmen zeitweise als Zuhörer an der Verhandlung gegen ihren Sohn teil.
Der Sohn der getöteten Familie, Andreas H., wollte sich zunächst noch nicht zu den Vorwürfen äußern, wie sein Anwalt Hans Steffan sagte. Hintergrund sei, dass das psychiatrische Gutachten noch nicht vollständig vorliege. Andreas H. hatte sich erst kurz vor Prozessbeginn bereiterklärt, mit dem Psychiater zu sprechen.
Urteil für Januar erwartet
Der 57-jährige Heilpraktiker Hansjürgen H. und seine 55-jährige Frau Else sowie deren 22 und 24 Jahre alten Töchter waren am 9. April dieses Jahres in ihrem Wohnhaus ermordet worden.
Am ersten Prozesstag hatten die Verteidiger Geständnisse der Angeklagten angekündigt. Frederik B. hatte die Tat schon bei der Polizei gestanden. Laut Anklage wollte Andreas H. zu Hause ausziehen und das Vermögen seiner Eltern - 256.000 Euro - erben und seinen Freund beteiligen. Das Urteil wird voraussichtlich am 27. Januar 2010 verkündet.
Bei der Aussage B.s am zweiten Verhandlungstag Mitte Oktober war es vor allem um Einbrüche und Diebstähle gegangen, die beide zusammen begangen haben sollen, als sie noch nicht volljährig waren. Im Sommer 2007 seien sie in eine Schule in Eislingen eingebrochen und hätten einen Computer und einen Beamer entwendet, hieß es. Ferner seien sie zweimal in ein Vereinsheim und im Herbst 2008 in einen Supermarkt eingebrochen. In dem Discounter stahlen sie laut Anklage einige hundert Euro sowie Alkohol.
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