Ulm (AP) Die Angeklagten im Fall des Vierfach-Mordes von Eislingen haben vor der Tat im Wald Schießen geübt. Dies sagte der 19-jährige Angeklagte Frederik B. dem Landgericht Ulm. Das Verfahren ging am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter. Diesen Artikel weiter lesen
Nach der Vernehmung zu seiner Person machte Frederik B. Angaben zum Einbruch in eines Vereinsheim der Schützengilde Eislingen. Die Waffen seien bei dem Einbruch im Oktober 2008 unabhängig von dem späteren Mord gestohlen worden, sagte Anwalt Klaus Schulz in Ulm in einer Verhandlungspause. Die Jugendlichen seien in den Wald gegangen, um zu schießen.
Zum eigentlichen Mordvorwurf habe der junge Mann bisher noch keine Angaben gemacht, sagte Schulz weiter. B. und sein Schulfreund Andreas H. sollen H.s Eltern und seine beiden Schwestern in der Nacht zum Karfreitag dieses Jahres aus Habgier mit 30 Schüssen getötet haben. Beide besuchten das gleiche Wirtschaftsgymnasium.
Laut Anklage waren die beiden jungen Männer im Oktober in das Vereinsheim eingestiegen. Dort entwendeten sie 17 Waffen, darunter waren auch die beiden späteren Tatwaffen. Außerdem nahmen sie 1.700 Schuss Munition mit. Die wenigen zugelassenen Medienvertreter blieben am Mittwoch erneut vom Prozess ausgeschlossen. Die Eltern von Frederik B. nahmen zeitweise als Zuhörer an der Verhandlung gegen ihren Sohn teil.
Der Sohn der getöteten Familie, Andreas H., wollte sich zunächst noch nicht zu den Vorwürfen äußern, wie sein Anwalt Hans Steffan sagte. Hintergrund sei, dass das psychiatrische Gutachten noch nicht vollständig vorliege. Andreas H. hatte sich erst kurz vor Prozessbeginn bereiterklärt, mit dem Psychiater zu sprechen.
Urteil im Januar erwartet
Der 57-jährige Heilpraktiker Hansjürgen H. und seine 55-jährige Frau Else sowie deren 22 und 24 Jahre alten Töchter waren am 9. April dieses Jahres in ihrem Wohnhaus mit insgesamt 30 Schüssen ermordet worden.
Am ersten Prozesstag hatten die Verteidiger Geständnisse der Angeklagten angekündigt. Frederik B. hatte die Tat schon bei der Polizei gestanden. Laut Anklage wollte Andreas H. zu Hause ausziehen und das Vermögen seiner Eltern - 256.000 Euro - erben und seinen Freund beteiligen. Das Urteil wird voraussichtlich am 27. Januar 2010 verkündet.
Bei der Aussage B.s am zweiten Verhandlungstag Mitte Oktober war es vor allem um Einbrüche und Diebstähle gegangen, die beide zusammen begangen haben sollen, als sie noch nicht volljährig waren. Im Sommer 2007 seien sie in eine Schule in Eislingen eingebrochen und hätten einen Computer und einen Beamer entwendet, hieß es. Ferner seien sie zweimal in ein Vereinsheim und im Herbst 2008 in einen Supermarkt eingebrochen. In dem Discounter stahlen sie laut Anklage einige hundert Euro sowie Alkohol.
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