Frankfurt/Main (AP) Tausende Opelaner in Deutschland bangen nach dem gescheiterten Verkauf an den Zulieferer Magna wieder um ihre Jobs. Auch bei der Bundesregierung löste der Mutterkonzern General Motors am Mittwoch Entsetzen aus und soll jetzt den Staatskredit über 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Arbeitnehmer wollen aus Protest von Donnerstag an die Arbeit niederlegen. GM drohte mit einer Insolvenz des Rüsselsheimer Autobauers, falls Verhandlungen mit Gewerkschaften scheitern sollten. Diesen Artikel weiter lesen
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Der GM-Verwaltungsrat entschied in der Nacht zum Mittwoch überraschend, den deutschen Autobauer zu behalten und selbst zu sanieren. Der Konzern begründete dies mit einer besseren finanziellen Lage. Der Opel-Betriebsrat rief die rund 50.000 Beschäftigten in Europa zu Massenprotesten auf. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sprach von einem «schwarzen Tag» für Opel: «Der nächste Schritt von General Motors wird sein, Regierungen und Beschäftigte in Europa zu erpressen.»
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, der US-Konzern müsse die 1,5 Milliarden Euro fristgerecht zurückzahlen. Kanzlerin Angela Merkel will nun den Kontakt zu US-Präsident Barack Obama suchen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sagte: «Ein solcher Umgang mit den Arbeitnehmern acht Wochen vor Weihnachten ist in keiner Weise hinnehmbar.».
GM droht mit Opel-Insolvenz
GM setzt offenbar darauf, künftig selbst deutsche Staatshilfen für eine Opel-Sanierung zu erhalten. Konzernchef Fritz Henderson kündigte an, der Konzern werde der Bundesregierung in Kürze einen Plan vorlegen. Die Kosten einer Sanierung durch GM lägen bei rund 3 Milliarden Euro. Dies sei weniger als beim Einstieg eines Investors. Der US-Konzern wolle zudem mit den europäischen Gewerkschaften über einen Sanierungsbeitrag verhandeln. Gesamtbetriebsratschef Franz lehnte Forderungen nach einem Lohnverzicht der Beschäftigten ab. GM drohte mit einer Insolvenz von Opel, sollte es zu keiner Einigung kommen.
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sieht nur geringe Chancen, dass GM von Deutschland Staatshilfe erhält. Deutsche Steuergelder dürften nicht in die USA abfließen. Dagegen sagte der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck, er sei zu Gesprächen bereit, wenn das GM-Konzept auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichte.
Eisenach gefährdet
Zu erwarten steht, dass rund 10.000 Arbeitnehmer ihren Job verlieren. Drei bis vier Werke könnten geschlossen werden. In Deutschland gilt vor allem Eisenach als gefährdet.
Anders als in Deutschland stieß die Entscheidung zum Verbleib von Opel bei GM in England auf Begeisterung. Der Generalsekretär der britischen Gewerkschaft Unite, Tony Woodley, sprach von einer «fantastischen Entscheidung». Es sei unlogisch, das Unternehmen aufzuspalten. Vorsichtigen Optimismus gab es bei Arbeitern in Polen, zurückhaltend äußerten sich Betriebsräte in Saragossa in Spanien.
Hintergrund der unterschiedlichen Reaktionen waren die Pläne des Konsortiums aus Magna International und Sberbank, die eigentlich einen 55-prozentigen Anteil an Opel von GM kaufen wollten. Dieser Plan sah unter anderem vor, das Werk im englischen Luton bis 2013 zu schließen.
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