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Computer & Cyberspace Der Kindle als Zeitungsbote

Frankfurt/Main (AP) Nach zwei Jahren Wartezeit ist der Kindle jetzt auch in Europa verfügbar. Das Gerät des Online-Buchhändlers Amazon ist mehr als ein E-Book-Reader, wie er auch von Sony und anderen Herstellern angeboten wird. Der Kindle dient auch als zuverlässiger Zeitungsbote, der jeden Morgen die aktuelle Tageszeitung aus dem Netz holt. Man muss nur aufpassen, dass beim Frühstück keine Marmelade auf das taschenbuchgoße Gerät kleckert. Diesen Artikel weiter lesen

Der Online-Shop fürs Kindle bietet zurzeit das Abonnement von 55 Tageszeitungen an, darunter 35 in den USA und 15 in Europa. Auch zwei deutsche Zeitungen sind verfügbar, die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und das «Handelsblatt». Hinzu kommen 32 Zeitschriften, darunter auch die «Wirtschaftswoche».

Voraussetzung für das Zeitungsabo auf dem Kindle ist ein Account bei Amazon mit den Angaben von Bankkonto oder Kreditkarte für die «1-Click»-Bezahlung. Jetzt kann man mit dem Kindle über Mobilfunk den Online-Shop besuchen und klickt sich zur gewünschten Zeitung. Für jede Zeitschrift oder Zeitung gibt es ein kostenloses Probeabo von 14 Tagen. Danach kostet etwa das FAZ-Abo umgerechnet rund 19 Euro und damit halb so viel wie das Abo für die gedruckte Ausgabe.

Die Zeitung auf dem Kindle zu lesen, ist eine ganz neue Erfahrung. Das Inhaltsverzeichnis bietet den Überblick zu allen Ressorts, wobei die Zahl der dort jeweils verfügbaren Artikel angezeigt wird. Man blättert mit einem kleinen Stick von Artikel zu Artikel. Innerhalb eines Artikels wird mit der Taste für «nächste Seite» weitergeblättert. Jeden Morgen erscheint die jeweils aktuelle Ausgabe auf dem Startbildschirm. Die Ausgabe vom Vortag wird in ein Archiv-Verzeichnis verschoben.

Was die gedruckte Zeitung nicht kann, ermöglicht der Kindle: Die Volltextsuche in einer gesamten Ausgabe. Der Kindl hat dafür eine vollwertige, allerdings sehr kleine Tastatur, mit der sich auch Notizen eingeben lassen. Einzelne Artikel können aufgehoben werden. Auch einzelne Stellen in einem Artikel lassen sich markieren und in die «Clippings» übernehmen.

Leider ist eine Verwaltung einzelner «Clippings» nicht möglich. Alle Zeitungsauszüge werden aneinandergereiht und in einer einzigen Datei gespeichert. Diese kann man auch auf den Computer übertragen (im TXT-Format) und dort frei weiterbearbeiten.

Die Abbildungsqualität der Texte ist dank E-Ink-Technologie hervorragend, die Schrift lässt sich in sechs Stufen vergrößern. Für die Zeitung wünscht man sich allerdings einen etwas größeren Bildschirm als das Kindle-Display von zwölf mal neun Zentimetern - wie beim Kindle DX, der aber bislang nur in den USA erhältlich ist. Auf einen weiteren Nachteil weist bereits der Online-Shop hin: Außerhalb der USA werden die Zeitungsausgaben ohne Abbildungen und Fotos übertragen.

Das liegt wohl daran, dass der Mobilfunkpartner von Amazon der amerikanische Betreiber AT&T ist. Für die Datenübertragung nach Europa fallen Roaming-Gebühren an, die von Amazon getragen werden müssen. Die Kindle-Nutzer außerhalb der USA merken dies auch an anderen Einschränkungen. Anders als in den USA kann man keine Blogs abonnieren, und der zu Testzwecken integrierte Browser kann allein den mobilen Dienst von Wikipedia aufrufen. Bei anderen Internet-Adressen gibt es die Fehlermeldung: «Aufgrund von ortsbedingten Einschränkungen ist die Web-Nutzung nicht in allen Ländern verfügbar.»

Mit dem EPUB-Format kann der Kindle nichts anfangen

Der Kindle ist (noch) ein überwiegend amerikanisches Produkt. Das macht sich im «Kindle Store» bemerkbar, wo 296.585 Bücher auf ihre Leser warten. Eine größere E-Book-Auswahl gibt es bislang an keinem anderen Ort. Allerdings machen deutschsprachige Bücher nur ein kleines Häuflein von weniger als 70 Titeln aus. Dort finden sich Thomas Manns «Tod in Venedig», Hermann Hesses «Siddharta» oder das «Kommunistische Manifest» von Karl Marx und Friedrich Engels - alles nicht gerade Neuerscheinungen.

Anders sieht das bei den englischsprachigen Titeln aus. Das Angebot ist aktuell und besteht zu 64 Prozent aus Sachbüchern. Der Kindle-Leser profitiert beim Kauf vom Preisvorteil für E-Books aufgrund fehlender Buchpreisbindung. Für jedes Buch kann man zunächst eine Leseprobe herunterladen, bevor man sich zum Kauf entschließt.

Mit dem in Deutschland am meisten verwendeten E-Book-Format EPUB kann der Kindle nichts anfangen. Und das Kindle-Format AZW ist bislang ausschließlich auf die Amazon-Hardware angewiesen. Das iPhone-Programm für den Kindle ist nur in den USA verfügbar. Demnächst aber soll es eine Software geben, um Kindle-Bücher auch auf dem Computer lesen zu können.

E-Mail ans Kindle schicken

Auf dem Windows-PC wie auf dem Mac meldet sich der Kindle als externer Datenträger an. So ist es auch möglich, eigene Dokumente auf den Kindle zu schieben. PDF- oder Word-Dokumente müssen vorher ins MOBI-Format umgewandelt werden, wofür es die Software MobiPocket Creator gibt.

Alternativ kann man auch ein PDF- oder Word-Dokument per E-Mail an den Kindle schicken - jedes Kindle hat seine eigene Mail-Adresse. Beim Versand von einer vorher festgelegten Absenderadresse wird das Dokument im Attachment automatisch umgewandelt und dann auf dem Kindle bereitgestellt. Für diesen Dokumentenversand erhebt Amazon bei einer Dateigröße bis 1 MB eine Gebühr von einem Dollar.

Bestellt werden muss der Kindle über den Amazon-Shop in den USA - zu einem Preis von 279 Dollar. Einschließlich der Gebühren für die Lieferung und Zollabgaben muss man mit etwa 240 Euro rechnen. Das Paket enthält den Kindle mit einem US-Netzstecker. Dieser lässt sich aber abziehen, so dass man ein USB-Kabel für das Aufladen am Computer erhält.

http://www.amazon.com/kindle/

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