Suche

Karadzic will mehr Zeit für eigene Verteidigung

Den Haag/Belgrad (AP) Erstmals seit Beginn seines Prozesses vor gut einer Woche ist Radovan Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erschienen. Der frühere bosnisch-serbische Präsident warf den Richtern in einer Anhörung am Dienstag vor, sie hätten seine «fundamentalen Rechte» verletzt, als sie den Prozess ohne ihn begonnen hätten. Karadzic hatte die ersten drei Verhandlungstage boykottiert. Diesen Artikel weiter lesen

Der 64-Jährige, der sich selbst verteidigt, wirft dem Tribunal vor, ihm nicht genug Zeit zur Vorbereitung gegeben zu haben. Er habe den Prozess nicht boykottieren wollen, sagte Karadzic am Dienstag, aber er könne nicht an etwas teilnehmen, das schlecht von Beginn an gewesen sei. Karadzic forderte nochmals mehr Zeit, um seine Verteidigung vorzubereiten.

Anklägerin Hildegard Uertz-Retzlaff forderte bei der Anhörung die Richter auf, einen Pflichtverteidiger zu ernennen, notfalls auch gegen Karadzics Willen, damit der Angeklagte den Prozess nicht willkürlich aufhalten kann. Sie räumte aber zugleich ein, dass sich mit der Bestellung eines Verteidigers der Prozess verzögern werde. Der Anwalt werde wohl einige Monate benötigen, um sich vorzubereiten. Uertz-Retzlaff wies auch auf die Möglichkeit hin, dass das Gericht Karadzic zwangsweise vorführen könne, wenn er die Verhandlung weiter boykottiere.

Eine Entscheidung über den Fortgang des Prozesses fiel am Dienstag noch nicht. Der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon kündigte noch für diese Woche eine schriftliche Entscheidung an. Der Prozess wurde bis dahin vertagt.

Karadzic wurde bereits 1995 angeklagt und sitzt seit 14 Monaten in Haft. Er sieht sich mit elf Anklagen konfrontiert, darunter zweien wegen Völkermords. Er hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Unter anderem wird er für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, dem im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Männer und Jungen zum Opfer fielen.

Serben laut Umfrage mehrheitlich gegen Festnahme von Mladic

Wegen dieses Verbrechens wird auch der damalige bosnisch-serbische General Ratko Mladic noch gesucht. Mladic wurde 1995 vom UN-Tribunal in Den Haag wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. In Serbien, wo er vermutet wird, ist inzwischen wieder jeder zweite gegen seine Festnahme. In einer Umfrage sprachen sich etwa 51 Prozent gegen seine Festnahme und Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal, wie der für die Suche nach Mladic zuständige Regierungsvertreter Rasim Ljajic am Dienstag in Belgrad erklärte. Nur etwa ein Viertel (26 Prozent) sind demnach für Mladics Festnahme - vor einem Jahr waren es noch 50 Prozent.

Grund für die sinkende Unterstützung sei der anhaltende internationale Druck auf Serbien auch nach der Festnahme Karadzics im vergangenen Jahr, sagte Ljajic. Die serbische Regierung beteuert, Mladics Aufenthaltsort nicht zu kennen.

© 2009 The Associated Press. Alle Rechte Vorbehalten - All Rights Reserved

Copyright ©2009 Yahoo!, Alle Rechte vorbehalten.

Hinweis: Auf dieser Seite sammeln wir persönliche Informationen. Für weitere Details lesen Sie bitte unsere Hinweise zum Datenschutz: Datenschutzrichtlinien