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Karadzic fordert mehr Zeit für Verteidigung

Den Haag/Belgrad (AP) Mehr als eine Woche nach Beginn seines Prozesses hat Radovan Karadzic erstmals an einer Anhörung vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag teilgenommen. Der frühere bosnisch-serbische Präsident warf den Richtern am Dienstag vor, sie hätten seine «fundamentalen Rechte» verletzt, als sie den Prozess ohne ihn begonnen hätten. Karadzic hatte die ersten drei Tage des Verfahrens boykottiert. Er habe den Prozess nicht boykottieren wollen, sagte Karadzic, aber er könne nicht an etwas teilnehmen, das schlecht von Beginn an gewesen sei. Diesen Artikel weiter lesen

Karadzic forderte am Dienstag nochmals mehr Zeit, um seine Verteidigung vorzubereiten. Der 64-Jährige wurde bereits 1995 angeklagt und sitzt seit 14 Monaten in Haft. Das Gericht hat ihm mit der Bestellung eines Pflichtverteidigers gedroht. Karadzic sieht sich mit elf Anklagen konfrontiert, darunter zweien wegen Völkermords. Er hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Er wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica verantwortlich gemacht, dem im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Männer und Jungen zum Opfer fielen.

Wegen dieses Verbrechens wird auch der damalige bosnisch-serbische General Ratko Mladic noch gesucht. Mladic wurde 1995 vom UN-Tribunal in Den Haag wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. In Serbien, wo Mladic vermutet wird, ist inzwischen wieder jeder zweite eine Festnahme Mladics. In einer Umfrage sprachen sich etwa 51 Prozent gegen seine Festnahme und Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal, wie der für die Suche nach Mladic zuständige Regierungsvertreter Rasim Ljajic am Dienstag in Belgrad erklärte. Nur etwa ein Viertel (26 Prozent) sind demnach für Mladics Festnahme - vor einem Jahr waren es noch 50 Prozent.

Grund für die sinkende Unterstützung sei der anhaltende internationale Druck auf Serbien auch nach der Festnahme Karadzics im vergangenen Jahr, sagte Ljajic. Die serbische Regierung beteuert, seinen Aufenthaltsort nicht zu kennen.

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