Berlin (AP) Das herabfallende Laub hat die in den Weg eingelassene doppelte Reihe von Pflastersteinen beinahe verdeckt. Fußgänger laufen darüber, auch Fahrrad- und Autofahrer achten nicht auf die Linie, die am Brandenburger Tor in Berlin-Mitte über die Straße führt. Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen, teilte doch genau an dieser Stelle die Mauer Berlin in zwei Hälften. Seit 1991 wird deren ehemaliger Verlauf nach und nach durch Steine markiert - um das Vergessen zu verhindern. Diesen Artikel weiter lesen
Entstanden ist so eine derzeit rund sechs Kilometer lange Linie durch die Innenstadt, die in der Nähe des Hauptbahnhofes beginnt, durchs Parlamentsviertel führt, am Brandenburger Tor und Potsdamer Platz entlang bis in die Nähe des ehemaligen Grenzübergangs Checkpoint Charlie. Wer der Kennzeichnung folgt, kann zu Fuß die Spuren der Grenzanlagen erkunden.
100 gusseiserne Tafeln
Immer bei Straßenbauarbeiten werde das Projekt fortgesetzt, erklärt Rainer Klemke, Leiter der Arbeitsgruppe Gesamtkonzept Berliner Mauer. Ziel sei es, irgendwann die gesamte 43 Kilometer lange innerstädtische Grenze auf diese Weise markiert zu haben.
Im Streifen integriert sind in regelmäßigen Abständen derzeit insgesamt rund 100 gusseiserne Tafeln mit der Aufschrift «Berliner Mauer 1961-1989». Informationen und Erklärungen zu dem Projekt gibt es auch im U-Bahnhof Brandenburger Tor und am Checkpoint Charlie.
Zuletzt sei innerhalb eines Gebäudes eine Markierung gesetzt worden, und zwar in der Bundestagsbibliothek, erzählt Klemke. Verantwortlich für das Projekt ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bezirksämtern.
Geschichte der Teilung
Darüber hinaus informiert die sogenannte Geschichtsmeile Berliner Mauer an 29 Stationen entlang des innerstädtischen Mauerwegs über die Geschichte von Teilung, Mauerbau und Maueröffnung. Mit Fotografien und Texten werden Ereignisse geschildert, die sich am jeweiligen Standort zugetragen haben und die politische Situation sowie den Alltag in der geteilten Stadt deutlich machen.
Nicht zu verwechseln ist die Mauermarkierung mit den Pflastersteinen mit dem Berliner Mauerweg, der über 160 Kilometer um die einst geteilte Stadt führt. Er wurde 2002 bis 2006 realisiert und kennzeichnet den gesamten Verlauf der ehemaligen DDR-Grenzanlagen zu West-Berlin.
In den Jahren nach dem 13. August 1961 ließ die Führung der DDR die Grenzen zwischen Ost- und West-Berlin zu mehrfach gesicherten Sperranlagen ausbauen. Grenzmauern oder Grenzzäune waren bis zu 3,60 Meter hoch, der Todesstreifen dazwischen war zwischen fünf und mehreren hundert Metern breit. Heute ist der ehemalige Grenzstreifen meist überbaut. In einigen Abschnitten ist er als Grünanlage oder Gedenkort Teil der «Erinnerungslandschaft».
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