Brüssel (AP) Trotz deutlich verbesserter Konjunkturaussichten droht Europa ein kräftiger Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Besonders Deutschland müsse sich nach der vergleichsweise positiven Entwicklung der vergangenen Monate in den kommenden Jahren auf Massenentlassungen gefasst machen, erklärte die EU-Kommission am Dienstag. Gleichzeitig verbessert das Wiederanspringen des deutschen Konjunkturmotors die Wachstumschancen für ganz Europa: Die Kommission korrigierte ihre Prognose für 2010 von -0,1 Prozent auf 0,7 Prozent nach oben. Diesen Artikel weiter lesen
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Für Deutschland erwartet die Brüsseler Behörde nach einem Einbruch um fünf Prozent in diesem Jahr für 2010 wieder ein Wachstum von 1,2 Prozent. Für 2011 sagt die Kommission ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in der Bundesrepublik und von durchschnittlich 1,6 Prozent in der gesamten EU voraus.
Arbeitslosigkeit belastet Privatkonsum
Dennoch werde die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Jahr europaweit auf 10,3 Prozent, in der Bundesrepublik auf 9,2 Prozent steigen, prognostizierte die Kommission. Anders als in den meisten anderen EU-Staaten habe die Krise den deutschen Arbeitsmarkt bislang nur geringfügig belastet, dafür könnten sich die langfristigen Folgen nun «weit bis ins Jahr 2011» hinziehen. Gegenwärtig seien die Betriebe schlicht nicht ausgelastet, «die Unternehmen werden deshalb unvermeidlich ihre Beschäftigtenzahl anpassen müssen».
Für 2011 rechnet die Kommission in Deutschland mit einer Erwerbslosenquote von 9,3 Prozent. Von allen EU-Ländern am stärksten betroffen ist Spanien, wo die Arbeitslosigkeit auf über 20 Prozent steigen dürfte.
Diese Entwicklung werde auch den Privatkonsum belasten, erklärte die Kommission. 2010 werde sich das Wachstum deshalb zunächst verlangsamen und erst in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnen. EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Banken für ihre zögerliche Kreditvergabe: «Der Bankensektor ist noch immer fragil, der Kreditmarkt stagniert, und das sind schlechte Nachrichten.»
EU-Kommission dringt auf Abbau der Staatsverschuldung
Trotz dieser Anlaufprobleme rechnet die Kommission für 2011 wieder mit einem «nachhaltigen Wachstum», wie Almunia betonte. Er erwarte deshalb von den EU-Finanzministern eine Bestätigung, dass sie spätestens 2011 mit dem Abbau der in der Krise aufgehäuften Schuldenberge beginnen würden. «Einige Mitgliedstaaten sollten 2010 damit anfangen», betonte Almunia.
Die Kommission will nächsten Mittwoch ihre Empfehlung zur Korrektur des deutschen Haushaltsdefizits vorlegen. Auch acht weitere Staaten müssen mit ersten Sparvorgaben aus Brüssel rechnen. Gegen elf weitere EU-Länder laufen bereits Defizitverfahren. Laut der am Dienstag vorgestellten Konjunkturprognose wird das deutsche Defizit in diesem Jahr 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichen. Noch im September war die Kommission von einem Wert von 3,9 Prozent ausgegangen; die Bundesregierung sagte zuletzt ein Defizit von 3,7 Prozent voraus. Im kommenden Jahr wird die Neuverschuldung nach Einschätzung der EU-Kommission auf 5 Prozent des BIP steigen.
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