Frankfurt/Main (AP) Die Schweinegrippe ist weiter auf dem Vormarsch. Die Zahl der wöchentlichen Neuerkrankungen in Deutschland schnellte zuletzt von 1.860 auf 3.075 nach oben, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag in Berlin mitteilte. Das Institut bezog sich auf neueste Zahlen für die 42. und 43. Kalenderwoche. «Die Welle hat begonnen», sagte RKI-Präsident Jörg Hacker. Insgesamt sind den Angaben zufolge deutschlandweit bislang 29.907 Fälle der neuen Grippe registriert worden. Sechs Todesfälle werden bisher hierzulande in Zusammenhang mit dem Erreger H1N1 gebracht. Diesen Artikel weiter lesen
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Trotz eines schleppenden Auftakts der bundesweiten Schweinegrippe-Impfung in der vergangenen Woche sehen die Gesundheitsbehörden die größte Aktion dieser Art in der Geschichte des Landes auf einem guten Weg. Die Immunisierung gegen das Virus sei in allen Bundesländern angelaufen, sagte der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums, Thomas Schulz, am Montag der Nachrichtenagentur AP. Thüringen hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz inne.
Der Sprecher räumte ein, dass der Auftakt mitunter schleppend gewesen sei und dass es vereinzelt schwankende Liefermengen gebe. Das sei aber im Produktionsprozess begründet und von vornherein bekannt gewesen. Von einem Lieferengpass oder Pannen bei der Versorgung könne jedoch keine Rede sein.
Bereitschaft steigt wohl mit Zahl der Krankheitsfälle
In den meisten Bundesländern war die Impfaktion vergangene Woche mit der Immunisierung des sogenannten Schlüsselpersonals gestartet. Dazu zählen wichtige Berufsgruppen wie Ärzte, Schwestern, Rettungskräfte und Polizisten. Mitunter konnten sich aber bereits alle Patienten impfen lassen. Ministeriumssprecher Schulz sprach von einer Impfbereitschaft zwischen 10 und 30 Prozent in dieser Gruppe. Die Bereitschaft der Bevölkerung insgesamt werde noch weiter zunehmen, sobald es noch mehr Krankheitsfälle gebe. Diese Einschätzung teilt auch das Robert-Koch-Institut (RKI).
RKI-Präsident Hacker sagte, die Impfbereitschaft werde außerdem mit zunehmender Information über die Aktion steigen. Nach seiner Einschätzung kann die Schweinegruppe auch bei Menschen ohne Vorerkrankungen einen schweren Verlauf nehmen. Im ZDF sagte er, Deutschland sei bislang das Land mit den wenigsten schweren Verläufen gewesen. «Aber wenn wir mehr Fälle haben in Deutschland, werden auch diese schweren Fälle zunehmen», betonte er. Der Fall einer 48-jährigen Frau, die in der vergangenen Woche ohne Vorerkrankung an den Folgen der Schweinegrippe starb, sei nicht überraschend gewesen.
Aus den USA und aus England wusste man nach Worten Hackers bereits, «dass auch Personen ohne Vorerkrankung, gerade jüngere Personen ohne Vorerkrankung, auch schwere Verläufe zeigen können und auch schon Todesfälle zu beklagen sind».
Erneuter Impf-Appell an die Bürger
Er rief die Bundesbürger erneut auf, sich gegen das H1N1-Virus immunisieren zu lassen: «Wenn geimpft wird, hat das Virus nicht die Möglichkeit zu mutieren», betonte er. Bislang könne nicht mit Gewissheit vorausgesagt werden, ob das Virus sich überhaupt verändere, möglicherweise aggressiver werde.
Deutschland ist nach Ansicht der Ländergesundheitsminister jedenfalls für alle Fälle gerüstet. Das umfasse nicht nur die Impfmenge von insgesamt 50 Millionen Dosen, die bis Ende Februar 2010 ausreichen soll, sondern auch die Versorgung mit antiviralen Medikamenten, die im Ernstfall zum Einsatz kommen.
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