Frankfurt/Main (AP) In der CD-Corner werden die aktuellen Alben von Lady Gaga, SALM, The Feelies, Elliott Murphy und ein «Best of» der Bee Gees vorgestellt. Diesen Artikel weiter lesen
--- «The Fame Monster» - Lady Gaga (Interscope/Universal)
Heutzutage machen Alben ihre eigene Karriere: Verkauft es sich über den Erwartungen, folgt nach einiger Zeit eine «Deluxe»-Version, mit zusätzlicher CD oder DVD oder beidem. Bei der Pop-Sensation des Jahres, Lady Gaga, ist das nicht anders. Dem Bestseller «The Fame» mit Superhits wie «Pokerface» und «Paparazzi» fügt sie nun eine «Monster»-Scheibe hinzu, die mit «Bad Romance» auch vielversprechend anfängt. «Alejandro» klingt schon sehr nach Madonna und trotz der Mitwirkung von Beyoncé (»Telephone») wirkt diese Zusammenstellung dann doch etwas unfertig. Das liegt freilich daran, dass sich Lady Gaga mit einem irrsinnig hohen Aufwand selbst inszeniert und alles, was sich der «Unplugged»-Dimension auch nur annähert, nicht zu ihr passen will. Lady Gaga hat das Zeug zur einzig legitimen Nachfolgerin von Madonna auf dem Popdiva-Thron, das Monster sollte sie Marilyn Manson überlassen. (Uwe Käding)
--- «Something A La Mode» - SALM (Yellow Productions/Rough Trade)
Kein Wunder, dass SomethingALaMode kurz SALM mit der Pariser Modeszene in Verbindung gebracht werden. Denn kein Geringerer als Modezar Karl Lagerfeld höchstpersönlich ist auf dem Opener des Debütalbums zu hören. Der Chanel-Designer erklärte sich bereit, Ausschnitte aus einem gemeinsamen Gespräch mit Thomas Roussel und Yannick Grandjean aka Salm für den Song «Rondo Parisiano» verwenden zu dürfen. Darüber hinaus stammt die komplette Musik der aktuellen Chanel-Schau von den beiden studierten Musikern. Das Pariser Duo, das klassische Musik studiert hat, fusioniert erfolgreich Klassik mit Techno. Während die beiden Musiker die Wochentage in der Musikschule verbrachten, tanzten sie die Wochenenden zu Elektro-Beats von Laurent Garnier, Daft Punk oder Jeff Mills. Roussel, der Violinist, der früher an zeitgenössischen Kunstprojekten mitwirkte, und Grandjean, der Cellist, verbinden auf ihrem selbstbetitelten Erstlingswerk «Something A La Mode» klassische Instrumente mit digitalen Synthesizern. Herausgekommen ist das erste String-Elektro-Album, das zwei komplett verschiedene Genre miteinander vereint. Die radikalen Elektro-Beats treffen auf zarte Stimmen (»5 AM»), sanfte Streicher auf monotone Beats (»SchubertALaMode»), brachialer Pop (»Little Bit Of Feel Good») auf Melancholie (»Tracey's Interlude»), entspannter 70er-Jahre Easy-Listening (»Easy Loving») auf Tragik (»Vodka Martini») und Dance-Grooves (»Romance In B Minor»). Salm scheuen sich nicht vor waghalsigen Zusammenführungen, egal ob es musikalisch stimmig ist oder nicht. Zum Glück, denn «Something A La Mode» strotzt nur vor Unkonventionalität und Ideenreichtum. (Claudia Ziemer)
--- «Alive In Paris» - Elliott Murphy (Blue Rose)
Nach knapp 20 Jahren in Frankreich war es quasi ein Heimspiel für Elliott Murphy, das Konzert im September 2008 in Paris. Der Anlass war die Ausstellung «Last of the Rock Stars», die Stationen aus dem Leben und der Karriere des mit einer Französin verheirateten US-Singer/Songwriters seit seinem Debüt Anfang der 70er Jahre zeigte. Das Konzert vor rund 800 Gästen in der Stadthalle des 6. Pariser Bezirks bot ebenfalls einen Querschnitt aus dieser Zeit, und auf über 77 Minuten sind auf dem daraus entstandenen Album «Alive In Paris» ältere wie neuere Stücke zu hören. Unterstützt wird Murphy dabei von den Normandy All Stars: seinem langjährigen musikalischen Begleiter Olivier Durand an der Gitarre sowie Alan Fatras am Cajón, einer Art Trommel, und Laurent Pardo am Bass. Was fehlt, sind kleine Geschichten, mit denen Murphy sein Publikum eigentlich gern unterhält, und die Übergänge sind zuweilen etwas abrupt geschnitten. Aber ansonsten singt sich Murphy in guter Form mit gewohnt spröder Stimme und filigranem Gitarrenspiel - besonders gut zu hören in «On Elvis Presley's Birthday» - durch sein Programm voll lyrischem Rock'n'Roll. Und in den Klassikern «You Never Know What You're In For» und «Diamonds By The Yard» zeigt Murphy dann auch noch seine Virtuosität an der Mundharmonika. Wie schon sein Bluesalbum «Murphy Gets Muddy» aus dem Jahr 2006 enthält auch dieses Album eine DVD. Sie zeigt das Konzert und bietet zusätzliche Songs, einschließlich dem Doors-Klassiker «LA Woman» und Murphys eigenes spritziges «Come On Louann» als Zugaben. (Nina Sündermann)
--- «Crazy Rhythms»/»The Good Earth» - The Feelies (Domino)
Mit der Neuauflage der beiden legendären The Feelies-Klassiker «Crazy Rhythms» und «The Good Earth» ist dem Label Domino Recordings ein großer Coup geglückt. Die US-Indie-Rock-Band aus New Jersey um Sänger Glen Mercer wurde 1976 in Haledon gegründet. Obwohl die öffentlichkeitsscheue Formation nie so erfolgreich wurde, wie sie es verdient hätte, beeinflusst sie noch heute mit ihrem Indie-Sound zahlreiche Bands. Nach dem hochgelobten Debütalbum «Crazy Rhythms» aus dem Jahr 1980 löste sich die Band ein Jahr später auf. Ab 1985 machten Mercer, Bill Million und David Weckerman als The Willies weiter Musik. Als die Bassistin Brenda Sauter und der Schlagzeuger Stanley Demeski dazustießen, traten sie wieder als The Feelies auf und produzierten mit Peter Buck (R.E.M.) 1986 das Album «The Good Earth». Die Band trennte sich offiziell 1991. Wegweisend war sicherlich das Debütalbum «Crazy Rhythms» mit seinen treibenden, punkig-rotzigen Gitarren-Tracks «Loveless Love» oder «Original Love». Mit dem Nachfolger «The Good Earth» zeigten sich The Feelies versöhnlicher und sanfter und präsentierten den Fans gefälligeren, handgemachten, fast schon britischen Gitarrenpop (»When Company Comes», «Two Rooms»), der durch Mercers markanter Stimme ein bisschen an Lou Reed erinnert. Obwohl The Feelies noch heute Fans in aller Welt haben, dürfte der ein oder andere junge Indie-Fan Gefallen an den genialen Feelies-Re-Issues finden. (Claudia Ziemer)
--- «The Ultimate Bee Gees» - Bee Gees (Rhino/Warner)
Mit immer neuen Zusammenstellungen der letztlich immer gleichen «Greatest Hits» haben die Bee Gees in letzter Zeit wahrlich nicht gespart. Wem aber beispielsweise die «Number Ones» und «Love Songs» zu eindimensional waren, könnte nun bei «The Ultimate Bee Gees» zugreifen: Zwei CDs mit 40 Songs, die auf das Schaffen des vor 50 Jahren erstmals den Namen «Bee Gees» benutzenden Brüder-Trios zurückblicken. In der Deluxe-Version gibt es eine DVD mit Musikvideos, bei denen man Barry, Maurice und Robin zuschauen kann, wie erst die Haare und dann die Bärte bei Barry und Maurice länger werden. Zusammengestellt sind die Songs wie ein Konzert. Das wird es nicht mehr geben: Nach dem Tod von Maurice 2003 im Alter von 53 Jahren erklärten Barry und Robin, es werde keine Veröffentlichungen ohne Mitwirkung des Verstorbenen geben - der Name «Bee Gees» gelte nur für alle drei. Die DVD lässt sich darüber hinaus als Dokumentation der naiven Anfänge des Pop-Business betrachten, mit körnigen Schwarzweiß-Aufnahmen bei «Spicks and Specks», der unfreiwillig komischen Zurschaustellung von Popstar-Wohlstand bei «Lonely Days» und dem Disco-Nachtleben von «Jive Talkin'» über «Night Fever» bis «Stayin' Alive». (Uwe Käding)
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